Take it easy

Take it easy

So lautete das Motto unserer letzten Tage. Wir hatten eine schöne Zeit bisher, mit vielen Hoch´s und ein paar Tief´s. Von den Tief´s haben wir uns immer wieder gut erholt und nach vorne geblickt. Beim Fahren Richtung Horizont hört man einfach dieses Lied und man vergisst alle negativen Erfahrungen der vergangenen Tage. Denn die Reise geht immer weiter, und es gibt für alles eine Lösung 🙂

Der letzte Blog Eintrag kam noch von Rosario aus. Mittlerweile sind wir doch ein ganzes Stück weitergefahren und stehen nach 4500 gefahrenen Kilometern kurz vor der Chilenischen Grenze im Süden Patagoniens. Als wir Rosario verlassen haben, fuhren wir zunächst wieder nach Buenos Aires zu dem Stellplatz, bei dem wir auch die Tage zuvor schon gestanden hatten. Wir hatten dort alles Wichtige in fußläufiger Entfernung und konnten umsonst mitten in Puerto Madero stehen bleiben und sicher übernachten. Leider erhielten wir dann die Nachricht, dass die Generalprobe im Teatro Colon, wegen der wir eigentlich wieder  nach Buenos Aires gefahren sind, nicht öffentlich ist und wir diese nicht besuchen können. Daraufhin haben wir uns entschieden weiter zu fahren. Bevor es weitergehen konnte mussten noch ein paar Sachen erledigt werden. Wir radelten also in das Zentrum von Buenos Aires. Matthias Brille war leider so lediert, dass wir uns noch bei ein paar Optikern nach einer möglichen Reparatur erkundigen wollten. Der erste schockierte uns mit horrenden Preisen und zwei Wochen Wartezeit, der zweite Optiker konnte dann innerhalb eines Tages zwei komplett neue Gläser beschaffen. Und das für sagenhafte 40€. Nach einem Mittagssnack gingen wir zurück zu unseren Fahrrädern und fanden – wie es der Teufel haben will – einen leeren Fahrradständer vor. Natürlich vergewisserten wir uns zig Mal ob es auch wirklich der richtige Ständer war. Beide Räder waren abgeschlossen mit einem ganz normalen Fahrradschloss. Das hat den Dieb scheinbar nicht beeindruckt und somit waren wir um zwei Fahrräder ärmer. Eine Mischung aus Schock und Wut machte sich breit. Doch es half nichts, die Räder waren weg. Und der Dieb wird wohl kaum so blöd sein und ein paar Meter weiter damit rumfahren. Wir hielten beim Zurückgehen die Augen offen, doch keine Spur von unseren Rädern. Wäre auch zu schön gewesen. Wobei… was würde passieren wenn wir tatsächlich den Dieb damit rumfahren sehen? Die Frage geisterte natürlich ständig in unseren Köpfen rum.

Tatsächlich war es dann so. Einige Minuten später fuhr auf der anderen Straßenseite ein Kerl mit einem unserer Fahrräder vorbei. Groß und gut gebaut war er. Wir waren uns 100% sicher dass es eines von uns ist. Das war in der Tat eine sehr brenzlige Situation… doch das Rad war zu wertvoll. Ein Geschenk von der lieben Oma. Matthias lief dem Dieb hinterher und konnte ihn samt Fahrrad gerade noch aufhalten bzw. „zu Boden reißen“. Nach einem lauten Wortgefecht kamen zum Glück noch zwei, drei andere Passanten die das Geschehen beobachtet haben und der Dieb rannte weg. Das hätte ganz schön ins Auge gehen können, aber – Fahrrad erfolgreich zurück erobert 🙂

Natürlich sagen jetzt bestimmt viele – Mensch, lass doch das Fahrrad bevor noch was passiert. Aber wir hätten uns heute noch geärgert wenn wir daran denken dass der Typ mit unserem Fahrrad durch die Gegend kurvt. Es hatte vielleicht nicht den großen materiellen Wert, doch es war ein Geschenk und deshalb für uns von großer Bedeutung.

Stephanie war sichtlich mitgenommen von der Aktion. Wir verließen die Innenstadt schleunigst und kehrten zum Erwin zurück. Immer mit kontrollierendem Blick nach hinten ob uns vielleicht jemand folgt.

Stephanie übernahm am nächsten Tag das Abholen der Brille. Matthias war nicht mehr wohl in dieser Gegend und wollte keinen Schritt mehr in die Nähe des Zentrums setzen.

Der Tag ging bei einem guten Glas (Ok… Flasche) Wein zu Ende.

Am nächsten Morgen holte Stephanie noch die Brille vom Optiker ab und wir fuhren Richtung Süden weiter auf die „Ruta Nacional 3“, kurz gesagt „Ruta tres“. Die RN3 führt auf insgesamt  3045 Kilometern bis ganz in den Süden Argentiniens.

Von Dieselmangel und Reifenschäden

Unser nächstes Ziel war die Stadt „Bahia Blanca“, wobei wir in „Sierra de la Ventana“ einen Zwischenstopp einlegen wollten. Dort gibt es einen Nationalpark mit einer kleinen Bergkette. Wir wollten dort ein paar Wanderungen unternehmen und die Schluchten und Wasserfälle ansehen.

Auf dem Weg nach „Sierra de la Ventana“ führt nur eine „Ruta Provincial“, also eine etwas kleinere Straße, die nicht so gut ausgebaut ist wie die RN3 und auch nur kleinere Orte miteinander verbindet. So kann es vorkommen, dass man auf einer Ruta Provincial mehrere hundert Kilometer ohne Tankstelle zurücklegen muss. Wir also „on the road“ mit fast halb vollem Tank und 160km vor uns. Eigentlich kein Problem, mit einem Tank schaffen wir um die 600 – 700 Kilometer. Doch es kam wie es kommen musste. Heftigster! Gegenwind und immer leicht bergauf. Wir sahen die Tanknadel immer weiter Richtung roten Bereich wandern. Erwin schaffte gerade so im vierten Gang die 70km/h und wir hatten bestimmt einen Verbrauch von 15 – 20 Litern. 40 Kilometer vorm Ziel kamen dann die ersten Aussetzer vom Motor bis zum Stillstand. Mitten im Nirgendwo… wunderbar.

Die Tanknadel war zwar noch nicht ganz unten, jedoch ist der Tank konstruktionsbedingt etwas ungünstig gebaut sodass bei Steigung oder starken Schwankungen evtl. nicht der komplette Diesel angesaugt wird.

Wir machten eine kurze Pause, stellten Erwin auf eine gerade Fläche und warteten ein bisschen. So ein richtiges „Oooooh maaaaaan…..“ Gefühl kam auf. Auf der Straße kam uns alle heilige Zeiten mal ein Auto entgegen. Wie hätten wir hier an Diesel kommen sollen. Mit dem Fahrrad 40 Kilometer? No Chance. Wir mussten weiterfahren. Mit den paar Litern die noch im Tank waren probierten wir dann unser Glück nochmal und fuhren weiter. Erwin sprang etwas mürrisch an, doch durch das gerade Stehen erwischte der Motor wieder ein bisschen Diesel. So ging es dann weiter. Bis 24 Kilometer vor der nächsten Tankstelle. Dort war es wieder soweit, Ruckeln des Motors bis zum Stillstand. Also, gleiches Prozedere nochmal versucht und – Erwin läuft wieder. Wie lange, darüber haben wir uns auch Gedanken gemacht:

Stephanie: „Kemma do ned unser Salodöl reischütten??“

Matthias: „In 100m stehma wieder, i seg uns scho aufm Radl an Diesel hoin…“

Naja, im Endeffekt mussten wir weder unser Salatöl opfern noch musste jemand Radeln. Wir haben es gerade so zur nächsten Tankstelle geschafft. Es war wirklich so, dass Erwin kurz vor der Tankstelle wieder stotterte und wir zur Zapfsäule hin rollten. Ein Bild für Götter 🙂

Seitdem sind übrigens unsere 40 Liter Reserve immer randvoll gefüllt…

Villa Ventana

Angekommen in „Villa Ventana“ verbrachten wir nach über 400km Fahrt auf dem Parkplatz der Touristen Info  eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen ging Matthias zunächst in die Touristen Information um ein paar Infos über mögliche Wanderungen zu erhalten. Die Dame – sichtlich genervt– war nicht sehr gewillt eine Auskunft zu geben und bemühte sich weder langsam Spanisch noch Englisch zu sprechen. Doch zumindest einen Plan mit eingezeichneten Wanderwegen konnten wir ihr entlocken. Wir machten uns auf den Weg zum Start der Wanderung.

Der erste Weg führte uns auf einen kleinen Berg im Nationalpark „Tornquist-Ventana“, der eine super Panorama Aussicht bot. Natürlich durfte dort die obligatorische Schulklasse, bewaffnet mit Selfie Sticks nicht fehlen. Ansonsten war allerdings kaum etwas los und wir genossen die Natur und die Ruhe nach der langen Zeit in Buenos Aires und Rosario.

Die zweite Wanderung „Garganta Olvidada“ hätten wir fast nicht gefunden. Beschilderung quasi nicht vorhanden und wir hatten unsere Augen die meiste Zeit auf die Straße gerichtet, da diese Ruta Provincial mehr Schlaglöcher als Asphalt hatte. Und es waren heftige Schlaglöcher… 10-15 cm Tief.

Als wir dann den Einstiegspunkt der Wanderung gefunden hatten, parkten wir Erwin auf der davorliegenden Parkfläche, packten ein bisschen Proviant und gingen los. Die Wanderung „Garganta Olvidada“ wurde uns von einer Dame empfohlen, da man hier ein Flussbett bis zum Wasserfall entlang wandern kann. Stellenweise auch mit Kletterpassagen.

Der Weg war ganz nett, jedoch ein bisschen kurz. Insgesamt nur eine gute Stunde hin- und zurück. Dafür recht anspruchsvoll mit einigen Stellen die wir klettern mussten.

Als wir zu Erwin zurückkehrten, wunderten wir uns etwas über die Schieflage. Die Ursache war offensichtlich. Rechter Hinterreifen total platt. Man hörte noch das Pfeifen der Luft aus der Lauffläche. Ein richtig schöner großer Nagel hatte sich durch den Reifen gebohrt. Nun gut, zum Glück sind zwei Ersatzreifen an Bord und es gibt an jeder Ecke eine „Gomeria“ (Reifenwerkstatt bzw. Reifenhändler. Die Reifen werden hier schnell und günstig repariert, derartige Schäden sind hier ganz normal).

Der Reifen war schnell gewechselt und es konnte weitergehen. Unser Platz für die Nacht sollte ein nahe gelegener Stausee werden, der dann für uns bisher einer der schönsten Plätze überhaupt war. Wir standen vielleicht 5 Meter vom Wasser entfernt, um uns herum war nichts außer Wiesen, Wasser und Hügel. Ein wunderschöner Abend mit einem tollen Sonnenuntergang direkt am See. Was will man mehr.

Bahia Blanca

An diesen Ort werden wir noch lange denken. Zum Einen war es bisher eine der dreckigsten Städte und zum Anderen hatten wir hier eine Zwangspause die doch länger dauerte als zuerst angenommen.

Nach der Nacht am Stausee fuhren wir zunächst nur durch Bahia Blanca durch und sahen beim Vorbeifahren schon diverse Werkstätten, darunter einen größeren Bosch Service und eine Mercedes Vertretung direkt daneben. Gut zu wissen dachten wir.

Voller Vorfreude waren wir bereits 60km nach Bahia Blanca Richtung Süden unterwegs als Erwin plötzlich die Gasannahme verweigerte. Er ruckelte zunächst kurz, dann wurde es immer schlimmer bis wir anhalten mussten. Ursache zunächst unklar, vor allem weil der Tank randvoll war. Matthias prüfte also auf die Schnelle einiges am Straßenrand aber konnte die Ursache nicht gleich erkennen. Zu allem Überfluss interessierten sich dort noch tausende kleine Käfer für unseren gelben Erwin. Eine Reparatur am Straßenrand wäre absolut unmöglich gewesen. Wir probierten einen Startversuch und Erwin lief zunächst wieder einwandfrei. Wir beschlossen, die 60km zurück nach Bahia Blanca zurück zu fahren. Matthias wollte sich in Ruhe auf einem besseren Platz das Problem ansehen und im Notfall zu einer Werkstatt im Ort fahren. Bosch und Mercedes waren ja direkt nebeneinander. Wir hatten auf den 60 Kilometern zurück dann außer etwas Leistungsverlust von Erwin kein Problem mehr.

Blöderweise war es Samstag Abend, sodass wir falls notwendig, erst am Montag zur nächsten Werkstatt hätten fahren können.

Am Sonntag begann Matthias sofort am Morgen mit der Problemsuche am Erwin. Luftfilter erst mal sauber gemacht, Dieselfilter gewechselt, usw. Und siehe da – der Diesel-Vorfilter war komplett voll mit schwarzem Dreck. Das muss die Ursache gewesen sein. Es kam schließlich kaum noch Sprit durch den Filter. Also Vorfilter und alle anderen Dieselfilter getauscht, noch ein paar andere Dinge kontrolliert und alles war wieder im grünen Bereich.

Trotzdem schauten wir am Montag kurz beim Bosch Service vorbei, da wir die Einspritzpumpe kontrollieren und einstellen lassen wollten. Der schickte uns jedoch zunächst zu Mercedes weiter und dort konnte man keinen Defekt oder Sonstiges feststellen. Seit ein paar Kilometer raucht Erwin etwas stärker als normal, allerdings auch nur wenn man genauer hin sieht. Die Mechaniker schoben das auf die schlechte Dieselqualität und Luft in der Dieselleitung, Matthias schob das Problem auf die neuen Einspritzdüsen, die er am Sonntag noch eingebaut hatte. Beides war der Fall. Die Düsen sind nun eingefahren und seitdem wir nur noch den „guten“ Eurodiesel tanken sind die Probleme auch weg. Kein verstopfter Filter mehr, kein starker Rauch mehr, Motor läuft ruhig und hat auch die gewohnte Leistung. Es gibt in Argentinien zwei verschiedene Dieselsorten. Der Preisunterschied ist ungefähr 80 Cent zu einem Euro. Mit dem günstigeren Diesel lief der Motor zwar problemlos, auf lange Sicht verstopfte aber der enthaltene Dreck die Filter. Das wussten wir natürlich erst als es zu spät war.

Also weiter geht´s gen Süden. Immer der RN3 entlang. Stundenlang… immer geradeaus.

Peninsula Valdes

Bereits seit Tagen freuten wir uns auf die Peninsula Valdes. Das ist eine Halbinsel ungefähr 500 Kilometer unterhalb von Bahia Blanca auf der man Lamas, Pinguine, Buckelwale, Orcas, Seelöwen, Seeelefanten, Delphine und viele Vögel ansehen kann. Die Insel ist geschützt und man darf sich in den  erlaubten Gebieten aufhalten und die Tiere aus sicherer Entfernung beobachten. Der Park kostet pro Person derzeit 415 Pesos Eintritt, was ungefähr 21€ entspricht. Man bezahlt nur einmal für den Eintritt und kann sich dann so lange wie man möchte im Park aufhalten. Das Fahrzeug wird nicht extra berechnet. Übernachten darf man in den dafür vorgesehenen Flächen, wobei es einen großen Campingplatz im einzigen Ort der Insel gibt auf dem man übernachten „sollte“. Es wird zumindest von den Betreibern empfohlen, allerdings gibt es einige Stellplätze auf der Insel bei denen das Übernachten ohne Probleme toleriert wird. Die Ranger dort sind sehr freundlich und erlauben das Stehen mit einem Wohnmobil in der Regel auch auf den Parkflächen vor den Aussichtspunkten, man muss sich nur angemessen verhalten. Aber das ist ja selbstverständlich.

Es war der erste Dezember, an dem wir die Halbinsel Valdes betreten haben. Wir gingen zunächst in die große Touristen Info direkt am Eingang, da diese auf jeden Fall vor dem weiteren Befahren der Insel besucht werden sollte. Man erhält dort Kartenmaterial zur Insel sowie interessante Hintergrundinformationen zu den Tieren. Uns wurde dort auch mitgeteilt, dass der Campingplatz (den wir sowieso nicht benutzen wollten) leeeeeider geschlossen hat und wir uns alternative Stellplätze in den erlaubten Zonen suchen müssten. So ein Pech, wir müssen direkt am Meer vor Pinguinen, Walen, Seelöwen und Delphinen stehen. Wir hätten doch viel lieber den überteuerten Campingplatz benutzt… 🙂 Uns wurde ein Platz bei der Stadt „Puerto Piramide“ empfohlen. Dort können wir ohne Probleme übernachten.

Für die Insel sollte man sich in jedem Fall mindestens zwei Tage Zeit nehmen. Bei einer Größe von 3625 Quadratkilometern braucht man auf den Straßen (nicht asphaltiert, nur Schotter und Sand) doch einige Zeit bis man die ganze Insel gesehen hat. Nach der Touristen Info war es schon recht spät, sodass wir uns auf direktem Wege zu unserem Stellplatz für die Nacht aufmachten. Dabei freuten wir uns wie zwei kleine Kinder über die Lamas die hin und wieder am Straßenrand auftauchten. Das Schöne an der Insel ist, dass die Tiere dort wild leben und in ihrer freien Wildbahn beobachtet werden können.

Den Stellplatz haben wir ja zuvor von der Touristen Info empfohlen bekommen. Wir fuhren in „Puerto Piramide“ eine schlechte Schotterstraße entlang Richtung Meer. Am Platz angekommen waren wir echt überwältigt. Erwin konnten wir direkt am Meer parken, es war weit und breit nichts außer Meer und Küste zu sehen und der Sonnenuntergang war gigantisch.

Die Fahrt über Valdes entlang am Meer, Klippen, zwei  Salzseen sowie die vielen Tiere machten den Aufenthalt unvergesslich. Ebenso der Staub, den wir nach unserer Tour durch die Schotterpisten im ganzen Innenraum verteilt hatten. Die Pinguine kamen bis auf 2 Meter zu uns heran und wir konnten am ersten Tag schon unzählige Seeelefanten und Seelöwen sehen. Die Zeit, zu der die Wale auf wenige Meter an die Strände heranschwimmen ist jedoch schon vorbei. Als wir dort waren, sind gerade die letzten Tage der „Walsaison“ angebrochen und man braucht schon viel Glück um dann noch ein paar Schöne Tiere bestaunen zu können. Leider hatten wir an den „Hotspots“ kein Glück und wir sahen weder Buckelwale noch Orcas. Die Ranger sagten, dass Sie die Tiere schon ein paar Tage nicht mehr gesehen haben und wir es vielleicht an einem anderen Punkt probieren sollen.

Nach einer zweiten ruhigen Nacht auf Valdes haben wir uns mit einem ganz klein bisschen Resthoffnung aufgemacht zu den letzten beiden Aussichtspunkten von Valdes. Diese lagen bereits auf dem Weg aus der Halbinsel raus und wir hatten uns schon fast damit abgefunden keine Wale mehr zu sehen. Wäre auch nicht ganz so tragisch gewesen. Wir waren ja schon überwältigt von dem ganzen anderen Getier 🙂

Der erste Aussichtspunkt ist bekannt für seine große Seelöwenkolonie. Und wo sich viele Seelöwen aufhalten, sind normalerweise auch Orcas anzutreffen. Die Aussicht dort war wunderschön. Wir hätten den Seelöwen stundenlang mit dem Fernglas zusehen können. Hier konnten wir dann auch eine ganze Menge Delphine durch das Fernglas vorbeischwimmen sehen – wirklich atemberaubend. Nur leider keine Orcas und auch keine Buckelwale.

Der zweite Aussichtspunkt ist bekannt für seine Vogelvielfalt. Man blickt dort auf eine kleine Insel in ungefähr 200 Meter Entfernung und kann diverse Vogelarten beobachten. Doch die waren plötzlich nebensächlich – wir sahen tatsächlich eine Gruppe Buckelwale mit dem Fernglas und konnten uns davon kaum noch losreißen. Unglaublich beeindruckend. Eine sehr große Freude, da wir genau an diesem Punkt eigentlich nicht mehr damit gerechnet haben.

So ging unser Besuch auf der Peninsula Valdes zu Ende. Wir würden jederzeit wieder dorthin fahren und können jedem Reisenden einen Abstecher auf die Halbinsel nur empfehlen.

Schwein gehabt!

Nach einem Zwischenstopp in „Comodoro Rivadavia“ fuhren wir wieder weiter auf der RN3 Richtung Ushuaia. Die Nacht verbrachten wir an einem Stellplatz direkt am Meer mit dem Blick auf eine Seelöwenkolonie. Das ist schon unbeschreiblich, wenn man an so einem Ort aufwacht. Man macht die Schiebetür auf und sieht den Strand, das Meer und ein paar Seelöwen vorbeischwimmen. Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass es uns gut tut raus aus der Stadt zu kommen – in die unendlichen Weiten Argentiniens. Mittlerweile haben wir auf der Fahrt übrigens auch Gürteltiere und etliche Flamingos gesehen 🙂

Wir beschlossen wieder etwas Strecke gut zu machen und fuhren 400km am Stück zum nächsten Übernachtungsplatz am „Rio Chico“. Ein wunderschöner hellblauer Fluss an dem es einige windgeschützte Stellplätze gibt. Der Wind ist übrigens fast ein eigener Blogeintrag Wert… je weiter wir in den Süden kommen desto windiger wird es natürlich. Teilweise kommen wir nur mit 60km/h voran und die sturmartigen Böen wehen uns fast von der Straße.

Am Rio Chico angekommen schlagen wir unser Lager auf und genießen den restlichen Abend am Fluss. Außer Essen brauchten wir an diesem Tag nichts mehr (wir sind beide etwas gesundheitlich angeschlagen, Erkältung seit ein paar Tagen).

Ganz entspannt beim Essen „sägte“ plötzlich etwas am Erwin. Es war das Geräusch, wie wenn jemand an der Hecktür das Fahrradschloss mit einer Eisensäge durchsägen würde. Das war unser erster Gedanke… da wird doch nicht in der Pampa einer unser Fahrrad klauen?!

Mit den Worten „JA SPINN I!!!“ schnappte sich Matthias das große Küchenmesser und stürmte raus.

Der Täter schaute uns wie ein Schaf an…

Die Sau mochte Erwin genauso wie wir. So lieb hatte Sie ihn, dass Sie sich daran reiben musste. Das ganze Auto hat gewackelt und wir mussten echt lachen. Die Sau ließ sich von uns überhaupt nicht beeindrucken und rieb sich nochmal genüsslich an der Stoßstange. Naja… soll uns auch recht sein, immerhin hat Sie nichts kaputt gemacht.

Heute führte unser Weg am späten Nachmittag dann wieder weiter auf der RN3. Keine 700 Kilometer sind es nun mehr nach Ushuaia und auch die Chilenische Grenze erreichen wir in ein paar Tagen. So kann es also weitergehen. Erwin läuft wie ein Uhrwerk und wir freuen uns schon auf die kommende Zeit.

Wir möchten uns an dieser Stelle einmal für die unzähligen Nachrichten, Kommentare und Emails zu unserem Blog bzw. generell bedanken. Es tut sehr gut den Kontakt zur Heimat aufrecht zu erhalten, wir hoffen die Nachrichten immer zeitnah beantworten zu können. Leider wird der Zugang zum Internet laufend schwieriger, weshalb die Abstände der Blogeinträge etwas größer wurden und wir nicht immer gleich unsere Emails checken können. Wir bitten dies zu Verzeihen 🙂

Viele Grüße

Stephanie und Matthias

8 Gedanken zu „Take it easy

  1. Brief ans Christkind🌲
    Ich wünsche mir vom Herzen das du Steffi und Matthias nur für einen Tag – ein paar Stunden wären auch schon super – nach Kirchberg oder Altenbach beamst.💟
    Hallo ihr zwei – Ihr fehlt💕💕💕
    Ich denk an Euch und drück Euch ganz fest💖
    Elfriede

  2. Hallo ihr beiden,
    ich schau ab und zu mal wo ihr gerade seid und was ihr macht. Meistens dauert es etwas länger bis ich wieder vom PC wegkomme. Die Berichte und Fotos sind ein Traum. Weiter so, alles Gute.
    Bin schon gespannt, wo ihr Weihnachten und Neujahr seid. Viele Grüße Hein

  3. Hallo ihr beiden,
    danke für die schöne Reisebeschreibung und die Bilder, das mit der „Sau“ ist besonders lustig. Macht weiter so und eine schöne Zeit wünscht Annemarie.

  4. Super Blogeinträge weiter so
    Das ist ja alles wirklich sehr spannend.
    Lasst es euch gut gehen. Keep on Rock n Roll.

    Haltet euch in Patagonien gut fest, wenn euch ein starker Wind beim Wandern erwischt, einfach auf den Boden legen 😉

    cu kurt

  5. Hallo ihr zwei Globetrotter,
    vielen Dank für den Suuuuuperbericht. Die Bilder sind ja gigantisch.!!!!!! Gottseidank sind ja alle Probleme doch irgendwie lösbar. Wir hoffen, dass der Erwin jetzt schnurrt und ihr noch viele tolle Fotos machen könnt. Ganz liebe Grüße aus der Heimat –
    Georg und Evi

  6. Hallo ihr beiden!
    Wow, diese Bilder! Da kann man sich gar nicht satt sehen! Die Pinguine gefallen mir und den Kids besonders gut!
    Eine gute Weiterreise und einen immer funktionierenden Erwin.

    Liebe Grüße von uns allen,
    Martina

  7. Hallo Ihr beiden! Sehnsüchtig habe ich schon auf neue Nachrichten von Euch gewartet. Die Bilder sind sehr beeindruckend und ich freue mich so sehr über die schönen Dinge die ihr dort erlebt. Die lassen einen Fahrradklau oder das Erwin Problem doch schnell „vergessen“.
    LG aus dem kalten Bayern
    Bernadette

  8. Hallo Ihr Lieben
    Welche Freude von Euch zu hören. Nachdem ihr ja wisst wie viel und gern ich Bücher lesen ist Euer Blog jetzt meine Lieblingslektüre. Spannend, lustig und aufregend. Ich glaube es gibt schon einige die auf Euere neuen Beiträge und Fotos warten. Und ich freue mich das Ihr so viel Neues erlebt.
    Hab Euch lieb 💕 Elfriede
    Und bin froh das Erwin wieder rund läuft.👍

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