Durch Kanadas Westen – BC, Yukon & Alberta Teil 2

Durch Kanadas Westen – BC, Yukon & Alberta Teil 2

Wir sind wieder zurück – in Kanada. Nach Alaska kommt nun eine ganz große Etappe auf uns zu: Wir müssen Kanada / USA durchqueren bis an die Ostküste nach Halifax um unseren fahrbaren Untersatz im Oktober auf den Weg zurück nach Hamburg zu schicken. Eine genaue Route hatten wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht im Kopf. Obwohl wir einen relativ straffen Zeitplan hatten, haben wir auf dem Weg wieder unglaublich viele tolle Dinge erlebt und Erfahrungen gesammelt. Wir sind zwar aktuell noch in Kanada unterwegs, doch vermissen dieses grandiose und facettenreiche Land jetzt schon sehr.

Kluane Nationalpark

Da wir auch in Kanada wieder ein paar Nationalparks besichtigen wollten, kauften wir uns gleich zu Beginn einen Nationalpark-Pass. Damit erhält man zu allen Nationalparks Zutritt und muss nicht jedes Mal extra bezahlen (der Kluane Nationalpark ist allerdings eine Ausnahme, hier mussten wir keinen Eintritt zahlen). Gleiches System wie in den USA – lohnt sich für Reisende auf jeden Fall wenn man mindestens 7 Tage in den Nationalparks verbringen möchte. Den Pass kann man bei jedem Nationalpark direkt erwerben. Wir fuhren den Alaska Highway südwärts Richtung Whitehorse und kamen dabei am Kluane Nationalpark vorbei. Der Park ist eigentlich geografisch gesehen die Weiterführung des Wrangell St. Elias Nationalparks in Alaska. Auch hier auf kanadischer Seite ist die Natur weitestgehend unberührt und der Abschnitt entlang des Kluane Lakes bis nach Haines Junction gehört zu einer der schönsten Strecken die wir bisher entlang des Alaska Highways gesehen haben (was nicht zuletzt an dem traumhaften Wetter an diesem Tag lag).

Wir wanderten zum Soldiers Summit, wo der Alaska Highway in seiner damaligen Form am 20. November 1942 eingeweiht wurde. Ein weiterer sehr schöner, wenn auch steiler Wanderweg war der Sheep Creek Trail, auf dem wir aber leider keins der scheuen Dallschafe erspähen konnten, doch dafür war die weite Sicht ins Tal wunderschön. Nach der anstrengenden Wanderung freuten wir uns auf eine kleine Abkühlung im Kathleen Lake und am nächsten Tag ging es auch schon wieder weiter Richtung Haines Junction.

Haines Highway

Bei Haines Junction beginnt der Haines Highway, der vom Bundesstaat Yukon (Kanada) in den Südwesten bis nach Alaska an den Pazifik führt. Wir haben einen ähnlichen Highway bereits beim ersten Besuch in Kanada befahren, nun wollten wir uns auch noch diesen Abstecher nach Haines ansehen. Wir fuhren wieder mal durch eine atemberaubende Landschaft, vorbei an Gletschern, Grizzly, Schwarzbär und Co. Leider begleitete uns die ganze Zeit ein immer dichter werdender, beißender Rauch, denn es gab in unmittelbarer Nähe mehrere Waldbrände. Der Rauch war wirklich hartnäckig und wollte sich auch die kommenden Tage nicht verziehen.

Entlang des Highways machten wir noch einen kurzen Halt bei den „Million Dollar Falls“ und gefühlt an jedem einzelnen der vielen Aussichtspunkte am Straßenrand.

Auf einem der Fotos sieht man übrigens ein sog. Fishwheel. Die werden dazu genutzt Lachse zu fangen. Der Lachs wird von einer großen Schaufel quasi aus dem Wasser befördert und in einem dahinterliegenden Behälter wieder ausgelassen. Einfaches Prinzip, sehr effektiv.

Porcupine Creek (Alaska, USA)

Alle „Goldrausch in Alaska“ – Fans kennen Porcupine Creek. Es ist der Gold Claim, an dem die Hoffman Crew 2010 das erste Mal nach Gold suchte. Als waschechter Fan dieser grandiosen Serie musste Matthias dorthin. Die Mine liegt nur ein paar Minuten vom Haines Highway entfernt und ist über eine holprige Kiesstraße zu erreichen. Schon beim Abbiegen vom Highway erkannte Matthias sofort die Brücke aus einer der ersten Folgen. Die Crew musste damals ihren großen Bagger (den „400er“ 😉 ) durch den reißenden Fluss manövrieren, denn die Brücke hatte eine zu geringe Traglast. Vor kurzem wurde die Brücke allerdings erneuert, man erkennt die Stelle aber sofort. Wir hielten uns nur ganz kurz in Porcupine Creek auf, denn dort wird tatsächlich noch gearbeitet. Mittlerweile sucht hier ein anderes Team nach Gold und das Camp sieht nur noch in den Grundzügen so aus wie in der Serie. Trotzdem war es spannend mal hier gewesen zu sein und alles in Echt zu sehen. Auch an Parker Schnabels Big Nugget Mine sind wir vorbeigekommen, wollten jedoch aufgrund der laufenden Arbeiten nicht den neugierigen Touristen abgeben, der auf der Baustelle eigentlich nichts verloren hat.

Haines

Der verschlafene Ort Haines (etwa 2500 Einwohner) liegt umgeben von Gletschern und schneebedeckten Bergen direkt am pazifischen Ozean. Wir sehen uns zuerst mal die kleine Stadt an und spazieren dabei unter anderem durch das 1904 erbaute Fort Seward. Dieser Armeeposten der USA war der erste, dauerhaft besetzte in ganz Alaska. Heute sind die meisten Gebäude bewohnt oder wurden zum Hotel umgebaut.

Ein deutlicher Vorteil von Haines gegenüber Steward ist, dass hier weitaus weniger Kreuzfahrtschiffe anlegen. Somit ist der Stadtkern nicht von Touristen überrannt und man kann gemütlich durch die Straßen spazieren. Allerdings ist man auch ziemlich schnell durch, all zu viel hat das Zentrum nämlich nicht zu bieten. Ein paar historische Gebäude hier, ein paar ganz nette Kunstwerke dort und natürlich den Hafen. Allgegenwärtig: Der Lachs. In dieser Gegend dreht sich alles um den Fischfang, vor allem zur Zeit des Salmon-Runs.

Ein paar Minuten außerhalb Haines befindet sich der Chillkat State Park. Dieser bietet Natur pur und wir waren gleich direkt hin und weg vom Blick auf den gigantischen Rainbow Glacier. Zudem sahen wir wieder einige Weißkopfseeadler. Ein wunderschöner Vogel, der immer ganz majestätisch auf seinem Aussichtspunkt auf Beute wartet.

Beim Zurückfahren nach Haines kamen wir dann noch bei einer Fisch Fabrik vorbei. Die hatten einen „Werksverkauf“ von frischem Lachs und da mussten wir natürlich zuschlagen. Ein ganzes Potpourri mit King Salmon, Silver Salmon, Red Salmon und Heilbutt haben wir erstanden. Das ganze ergab zusammen mit einem Schluck Rotwein ein vorzügliches Abendessen. Uns läuft beim Schreiben dieser Zeilen direkt wieder das Wasser im Mund zusammen 🙂

Fischer nix dawischer…

In Whitehorse wollten wir dann wieder einmal mal unsere Angellizenz für Kanada ausnutzen und probierten unser Glück an einem Forellensee ein paar Minuten außerhalb der Stadt. Nach ein paar Würfen hatten wir tatsächlich mal Glück und konnten eine schöne Forelle landen. So ein selbst gefangener Fisch schmeckt doch am allerbesten 😉

So eine Angellizenz ist übrigens ohne Probleme als Tourist erhältlich. Man benötigt dafür nicht mal einen Angelschein. Jeder Bundesstaat hat extra eine Lizenz und wir entschieden uns, die für Yukon zu kaufen. Es gibt unterschiedliche Zeiträume: Von einem Tag, über eine Woche bis zu einem Jahr. Eine tolle Sache, da Kanada mit seinen glasklaren Seen ja das Angelparadies schlechthin ist.

Cassiar Highway

Weiter fuhren wir dann nochmal einen Teil des Alaska Highways bis Watson Lake, um dann Richtung Süden auf den Cassiar Highway wechseln zu können. Der existiert seit 1972 und ist mittlerweile eine häufig genutzte Route für Reisende (nach unserem Eindruck auch noch nicht ganz so überlaufen wie der Alaska Highway). Eine Stichstraße führt dabei wiederum nach Steward / Hyder am südlichsten Zipfel Alaskas. Der ca. 700km lange Highway an sich ist weitestgehend in gutem asphaltierten Zustand und wir kommen schnell voran. Wir passieren immer wieder traumhafte Seen, grandiose Landschaften und erreichen nach ein paar Tagen wieder mal die Grenze zu Alaska. In Hyder wollen wir zum Einen unbedingt den Salmon Glacier sehen und zum Anderen einen Bären „beim Angeln“. Das Naturspektakel wurde uns leider bisher verwährt da die Lachse noch nicht soweit die Flüsse hoch gewandert waren. Nun wollten wir unser Glück nochmal in Hyder versuchen – einem angeblichen Hotspot für „Angelbär-Beobachtungen“!

Salmon Glacier Stewart / Hyder

Bei der Ankunft in Hyder erkundigten wir uns gleich mal nach der aktuellen Lachs-Situation. Doch das Ergebnis war ernüchternd. Bisher waren noch keine Lachs gesichtet worden, das heißt, wenn überhaupt mal ein Bär vorbei schaut, dann nur für ein paar Minuten um die Lage auszuchecken. Wie lange es noch dauert bis die Lachse hier ankommen konnte uns natürlich niemand sagen. Vielleicht 5 Tage? Vielleicht aber auch 2 Wochen. Warten machte also wenig Sinn. Noch dazu saß uns ja die Uhr etwas im Nacken, da wir ja noch so viele Ziele hatten und ein ganzes Stück Strecke vor uns lag. Wir beschlossen erst einmal den Salmon Glacier in Ruhe anzusehen und nach zwei Tagen nochmal nachzufragen. So vertrieben wir uns die Zeit noch in Hyder und mit dem „Test“ unseres Bear Sprays. Ein freundlicher Ranger hat uns nämlich auf unser Bear Spray angesprochen und gefragt, ob wir es denn schon mal ausprobiert haben. Wäre nämlich ganz sinnvoll, um mal zu sehen wie weit das Spray eigentlich sprüht, meinte er. Na gut, dachten wir uns. Kann ja nicht schaden. Wir probierten das Spray auf einem großen Parkplatz aus und haben schmerzlich festgestellt: Es bekämpft nicht nur den Bären sondern auch einen selbst. Auf dem Foto sieht man richtig schön wie die Wolke aus dem Teil kommt. Regel Nr.1: Sprühe niemals gegen den Wind! Klar… so dumm sind wir natürlich auch nicht. Aber dass es trotzdem wie Feuer in den Augen brennt und die Lippen für 2 Stunden taub sind, obwohl man davon offensichtlich gar nichts abbekommt, damit haben wir nicht gerechnet 😉

Am nächsten Tag führte uns eine knapp 30 Kilometer lange, ziemlich ungemütliche Kiesstraße zum Salmon Glacier. Eine gute Stunde sollte man dafür schon einplanen, unter anderem auch aufgrund der Aussichtspunkte entlang der Strecke. Je weiter wir allerdings fuhren, desto schlechter wurde das Wetter bzw. dichter der Nebel. Als wir oben angekommen sind und den Gletscher eigentlich unmittelbar vor uns hatten, war der Nebel so dicht dass man keine 5 Meter mehr sehen konnte. Das war dann quasi die Enttäuschung Nr. 2 und wir fragten uns langsam warum wir eigentlich hier her gefahren sind. Doch dann kamen wir ins Gespräch mit einem Souvenir Verkäufer. Er hatte dann noch einen äußerst hilfreichen Tipp für uns. Wir sollen die Straße noch ein paar Kilometer weiterfahren, da sich etwas unterhalb der großen Aussichtsplattform der Nebel am ehesten verzieht. Vielleicht hätten wir hier Glück. Hier oben verdeckt der Nebel den Blick auf den Gletscher schon seit mehr als einer Woche, sagte er. Wir düsten also los und schlugen unser Lager auf. Eine große, freie Fläche ein paar Gehminuten vom Gletscher entfernt kam da gerade recht. Hier konnten wir übernachten und den Gletscher notfalls auch am nächsten Tag begutachten. Lange warten mussten wir dann aber tatsächlich nicht und schon nach kurzer Zeit verzogen sich die ersten Nebelschwaden. Was sich uns dann offenbarte war einfach nur gigantisch. Am nächsten Tag war der Nebel leider wieder unverändert und wir machten uns auf den holprigen Weg zurück nach Hyder.

Zurück am besagten Jagdrevier der Bären erfuhren wir, dass heute der erste Lachs gesichtet worden sei. Allerdings sagte uns die Dame, dass es mit Sicherheit 7 – 10 Tage dauern werde, bevor der Schauspiel hier wirklich beginnt. Wir fanden uns (etwas traurig) damit ab, dass wir uns diesen Traum leider nicht erfüllen können und zogen noch am gleichen Tag weiter.

Kurz vor Ende des Cassiar Highways hatten wir dann noch zwei ganz besondere Ereignisse. Als erstes besuchten wir das Historic Lax an Zok Fish Camp. Man kann hier zur richtigen Jahreszeit die Lachse beobachten, wie sie versuchen den Wasserfall mit gekonnten Sprüngen zu überwinden. Ein tolles Schauspiel, auch wenn zu unserer Zeit die Lachse noch nicht in Scharen dort angekommen waren. Trotzdem haben wir einige beim Springen gesehen und zum Teil auch aufs Foto bekommen.

Das zweite Highlight war dann etwas später ein großer Schwarzbär, der plötzlich am Straßenrand auftauchte. Wir kehrten natürlich sofort um, um ein paar Fotos zu machen. Der Bär war völlig unbeeindruckt von den anhaltenden Fahrzeugen (auch wenn es so mancher Idiot mal wieder übertreibt und meint AUF den Bären fahren zu müssen). Ganz gemütlich marschierte er an der Straße entlang und kam dabei erstaunlich nahe an die Autos heran. Da wir oft gefragt wurden, wo wir uns zum Zeitpunkt der Fotos befanden können wir euch an dieser Stelle beruhigen… wir waren sicher im Auto 😉 Das Foto mit Erwin im Hintergrund haben uns kurze Zeit später zwei freundliche Damen geschickt.

Yellowhead Highway und Mount Robson Provincial Park

Wir wechselten auf den lang ersehnten Yellowhead Highway. Dieser zählt zu den schönsten Kanadas und führt auf insgesamt 2850 Kilometern Länge an traumhaften Gebirgshängen und Wasserfällen vorbei. Auf den Fotos zu sehen sind übrigens noch der kleine Ort Hazelton mit seinen historischen Gebäuden und geschnitzten Totempfählen. Außerdem konnten wir dort auch die 80m hohe Hagwilget Canyon Bridge, sowie „Dip net“ Fischer beim Lachsfang sehen. Die stellen sich, gesichert von einem Seil, direkt an die Kante des rauschendes Flusses uns „keschern“ die Lachse einfach so aus dem Wasser. Das hat ganz gut geklappt und wir waren erstaunt wie schnell man mit dieser Methode 3 große Lachse aus dem Wasser heben kann!

Die Rocky Mountains zeigten sich hier von ihrer schönsten Seite und wir genossen die entspannte Fahrt mit dem Blick auf den gigantischen Mount Robson. Im gleichnamigen Provincial Park wanderten wir den 5 Kilometer langen Berg Lake Trail, der uns zum Kinney Lake führte. Eine tolle Wanderung entlang des Robson Rivers mit grandiosem Blick auf die Berge und das hellblaue Wasser.

Jasper Nationalpark – Yellowhead Highway

Auf die beiden Nationalparks Jasper und Banff freuten wir uns schon ganz besonders. Alle, die uns von den Parks zuvor berichteten, warnten uns zwar vor den Touristenmassen, waren aber gleichzeitig hellauf begeistert und machten uns den Mund wässrig. Der Yellowhead Highway führte uns direkt weiter in den Bundesstaat Alberta und in den Jasper Nationalpark. Die Jasper und Banff Nationalparks sind mit einer durchgehenden Straße (Icefields Parkway) verbunden, von Norden kommend erreicht man zuerst Jasper. Das Wetter war zwar noch etwas wechselhaft, doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Nach ein paar Metern sahen wir auch schon einen richtig großen Wapiti Hirsch mit stattlichem Geweih. Gigantische Tiere, wovon wir später dann noch eine ganze Herde beim Faulenzen beobachten konnten.

Jasper Nationalpark – Maligne Canyon

An Tag 2 erkundeten wir den Maligne Canyon sowie den Maligne Lake, welcher sich am Ende der Maligne Road befindet. Ganz schön viel „Maligne“ hier…

Die ganze Stichstraße ist „nur“ 42 Kilometer lang, sodass uns hier ein halber Tag völlig ausreichte. Der Maligne Canyon ist auf jeden Fall einen Stopp wert. Auf angelegten Wegen wandert man entlang der bis zu 50 Meter tiefen Kalksteinschluchten. Dabei überquert man den Canyon immer wieder mit kleinen Holzbrücken. Die eignen sich gut für ein Foto in den Canyon, während der Maligne River unter einem in die Tiefe rauscht.

Wir waren wirklich beeindruckt, hatten aber relativ bald von den unzähligen Selfie-Stick-Touristen die Nase voll. Wir wollten wieder Ruhe, etwas mehr Einsamkeit und fuhren nach einer ausgiebigen Mittagspause am Fluss zum Maligne Lake.

Jasper Nationalpark – Icefields Parkway

Der Jasper Nationalpark entwickelte sich schnell zu einem wahren Highlight. Nicht nur wegen dem grandiosen Wetter, sondern auch weil wir richtig Glück mit den Tieren hatten und hautnah an mehrere Gletscher herangekommen sind. Die 230 Kilometer des Icefields Parkway werden gerne als schönste Gebirgsstrecke Kanadas bezeichnet. Das können wir auch so bestätigen. Uns hat die Strecke ausgesprochen gut gefallen, trotz der Unmengen an Touristen und Tourbussen die dort ebenfalls unterwegs waren. Kurz bevor wir in den Banff Nationalpark wechselten, besuchten wir das Columbia Icefield an der südlichen Grenze des Parks. Dieses 320km² große Eisfeld besitzt mehrere Gletscher und Zuflüsse. Das Eisfeld ist so groß, dass es hier selbst im Sommer kaum wärmer als 15-20°C wird. Den bekanntesten Gletscher, den Athabasca Glacier sehen wir sofort von der Straße aus und parken direkt am dortigen Icefield Centre. Von dort starten unter Anderem geführte Touren aufs Eis. Man kann mit einem sogenannten Snow Coach (Offroad Tourbus für ca. 50 Passagiere) aufs Eis fahren und dann ein paar Minuten auf dem Gletscher herumspazieren. Der Sinn dieses „Vergnügens“ erschließt sich uns jedoch nicht wirklich und wir entscheiden uns den kurzen Wanderweg zum Fuß des Gletschers zu gehen. Auch an diesem Gletscher sind wieder Schilder mit den Jahreszahlen aufgestellt, wo sich das Eis einmal befand. Der Anblick ist einafch nur erschreckend!

Banff Nationalpark

Den Übergang vom Jasper zum Banff Nationalpark merkt man landschaftlich gesehen natürlich nicht wirklich. Es blieb so schön wie zuvor und auch die Tierwelt ließ sich immer wieder blicken. Wir fuhren weiterhin auf dem Icefields Parkway Richtung Süden durch den Park bis nach Lake Louise Village.

Beeindruckt waren wir vor allem von den hängenden Gletschern und den hellblauen Seen, wie zum Beispiel dem Peyto Lake.

Direkt nach dem Icefields Parkway wartete dann auch schon eine weitere Hauptattraktion: der Lake Louise. Er ist angeblich der am meisten besuchteste Bergsee der Welt. Laut einer Park Rangerin wurde der See in den letzten Jahren regelrecht überrannt, sie vermuten die Sozialen Medien als Grund. Der See ist mittlerweile angeblich ein richtiger Instagram-Star. Als wir uns nach Parkmöglichkeiten bzw. dem Shuttle Bus erkundigen, wird uns auch sofort bewusst, was wir uns hier angetan haben. Natürlich wollten wir uns den See ansehen… wir dachten zunächst es sei „nur“ ein See mit tollem Blick und so weiter… doch weit gefehlt. Wenn man einen Parkplatz haben möchte, muss man SPÄTESTENS um 05:30 Uhr dort sein. Ab dann wird es schwer noch einen Platz zu bekommen. Der Ort, sowie der See an sich waren komplett überfordert mit den Massen an Touristen, die jeden Tag hier eintreffen.

Wir standen also am nächsten Tag extra früh auf, um gegen 05:15 Uhr am Parkplatz zu sein. Und hier waren die freien Plätze schon rar gesät!!!! Unglaublich, aber etwas Gutes hat diese Touristenhölle dann doch noch: der Sonnenaufgang über dem See war wirklich unvergesslich schön. Unser Glück war, dass sich die meisten Besucher um diese Uhrzeit nur für das Panorama interessieren, aber nur ein kleiner Teil unternimmt wirklich längere Wanderungen. Genau das hatten wir aber vor und konnten so den Menschenmassen zumindest für kurze Zeit etwas entfliehen.

Yoho Nationalpark

Einen „kurzen“ Abstecher machten wir dann auch noch in den Yoho Nationalpark, der direkt an den Banff NP angrenzt und nur ein paar Autominuten von Lake Louise Village entfernt liegt. Auf dem Weg dorthin überquerten wir den 1627m hohen Kicking Horse Pass und legten eine kurze Pause an den Spiral Tunnels ein. Hierbei handelt es sich um Tunnel, die für Züge angelegt wurden um die Steigungen durch Serpentinen zu reduzieren. Dadurch, dass die Züge hier relativ lang sind und die Tunnel kurz und kurvig, sieht man hin und wieder einen Zug der in den Tunnel ein- und gleichzeitig wieder rausfährt 🙂

Im Yoho Nationalpark war unsere erste Anlaufstelle der ca. 15 km lange Iceline Trail.

Ein zunächst sehr steiler und wirklich anstrengender Weg, doch zugegeben auch einer der bisher schönsten Wanderwege die wir hatten. Vorbei am rauschenden Takakkaw Fall, sowie den Laughing Falls (woher der Name kommt… keine Ahnung 😉 ) ging es erst mal 700 Höhenmeter bergauf, dann an der Kante des Emerald Glaciers zum Little Yoho River und dann wieder langsam zurück ins Tal.

Als zweiten Programmpunkt suchten wir uns den Emerald Lake aus. Ähnlich wie der Lake Louise, nur etwas weniger frequentiert, zeigt sich dieser hellblaue Bergsee. Dem Namen „Smaragd“ wird er wirklich gerecht.

Calgary

Lange haben wir uns auf Calgary gefreut. Weniger wegen der Stadt an sich, sondern weil wir uns schon riesig auf unsere neu gewonnen Freunde Cori & Codie freuten. Wir haben die Beiden in Baja California (Mexico) kennengelernt als wir gemeinsam ein anderes Auto aus dem Sand befreiten. Seitdem waren wir ständig über Facebook oder WhatsApp in Kontakt und verabredeten uns bei Ihnen in Calgary. Sie zeigten uns ihre Heimatstadt und dann verbrachten wir ein paar wunderschöne Tage beim gemeinsamen Campen. Da die Beiden schon länger überzeugte Veganer sind, war es für uns selbstverständlich, dass wir uns die gemeinsamen Tage auch tierfrei ernähren. So kamen wir gleich am ersten Abend in den Genuss von Beyond Burgern. Und wir müssen sagen… so als Burger schmeckt man keinen Unterschied zu Fleisch. Im Gegenteil – wir haben seitdem einige Male auch selbst Beyond Burger (die gibt`s übrigens auch mittlerweile in Deutschland) im Erwin gemacht und sind immer noch begeistert 🙂

Nach einem Wochenende campen, Geschichten und Erlebnisse austauschen fiel uns der Abschied richtig schwer. Zu gerne hätten wir noch mehr Zeit mit Ihnen verbracht. Doch wir sind sicher, dass wir uns bald mal wieder sehen… vielleicht sogar in Deutschland? 😉

Waterton Nationalpark

Weiter ging es auf unserer „Trans-Canada“ Tour. Wir mussten ja an die Ostküste, wollten aber nochmal in die USA einreisen, da wir beim ersten Mal leider den Yellowstone Nationalpark links liegen lassen mussten. Das Wetter war zu schlecht und die Temperaturen noch zu kalt. Wir wählten als Grenzübergang den Warterton Nationalpark, der auf amerikanischer Seite als Glacier Nationalpark weitergeführt wird. Der Park wurde allerdings vor zwei Jahren von einem schlimmen Waldbrand heimgesucht. Ein Großteil der Wanderungen ist aktuell immer noch gesperrt, aber die Waterton Lakes und einige kürzere Wanderwege kann man besuchen. Am Upper Waterton Lake besichtigen wir das nostalgische Hotel „Prince Wales“ und genießen die tolle Aussicht über den See. Dieser ist mit 148m übrigens der tiefste in den Rocky Mountains. Nach einem Picknick und – nennen wir es mal einen Badeversuch (das Wasser war echt kalt!), beschließen wir auch schon weiter Richtung USA zu fahren.

Zu dem Zeitpunkt wussten wir übrigens noch gar nicht, ob wir wieder in die USA einreisen dürfen. Das hat folgenden Hintergrund: Möchte man als Reisender mehr als 90 Tage (ESTA) in den vereinigten Staaten bleiben, benötigt man ein B1/B2 Visum. Das haben wir ja bereits in Mexico beantragt und sind damit auch schon durch die Staaten gereist. Das Visum ist grundsätzlich für 10 Jahre gültig, allerdings darf man innerhalb von 12 Monaten nur 6 Monate insgesamt in den USA bleiben. Kanada und Mexico zählen dabei nicht als Ausreiseland, das heißt dass die 6 Monate weiterlaufen wenn man z.B. durch Kanada nach Alaska fährt. Unsere 6 Monate hatten wir kurz nach Alaska erreicht und somit lief unser Visum in Kanada aus. Wir hätten also theoretisch nicht mehr in die USA einreisen dürfen, sondern hätten 6 Monate warten müssen. Das ging natürlich nicht, also wollten wir unser Glück einfach an der Grenze versuchen und hofften auf gut gelaunte Beamte die uns eine neue Touristenkarte ausstellen.

 

Wie es weiterging und ob wir es nochmal in die USA geschafft haben, erfährt ihr im nächsten Eintrag 😉

2 Gedanken zu „Durch Kanadas Westen – BC, Yukon & Alberta Teil 2

  1. Hallo ihr zwei,
    wieder mal ein toller Reisebericht mit eindrucksvollen Bildern!
    Eure Reise geht langsam dem Ende zu, ich hoffe ihr könnt die letzten Wochen noch geniessen und lasst es euch gutgehen!
    Ganz liebe Grüsse aus dem auch sehr schönen, fast schon herbstlich gefärbten Bayern!!
    100000000 Bussis von
    Mamsli
    PS I konns scho nimma dawartn bis wieda dosads! Scheene Zeit no!

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