Bunte Berge

Bunte Berge

Unsere Tage in Argentinien sind gezählt. Viele tausend Kilometer sind wir von Buenos Aires über Rosario in den Süden entlang der RN 3 bis Feuerland und über die berühmte Ruta Cuarenta wieder einen Teil zurück Richtung Norden gefahren. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen wir dieses tolle Land. Wir haben uns richtig wohl gefühlt. Zu keiner Zeit (bis auf die Sache mit dem Fahrrad in Buenos Aires) haben wir uns unwohl oder unsicher gefühlt. Die Menschen waren immer freundlich und hilfsbereit. Die freien Übernachtungsplätze an den unzähligen Seen oder Flüssen waren gigantisch. Wir haben uns schon vorgenommen, irgendwann wieder hier her zurück zu kommen.
Die letzten Tage im Land der Gauchos verbringen wir nördlich von Salta. Nach unserem Trip durch die argentinische Puna wollen wir wieder ein bisschen in die Zivilisation und unsere Reise einfach genießen. Wir fahren von Salta auf der Ruta 9 nordwärts und legen eine Akklimatisierungsnacht in Tilcara ein. Bei Regen, Gewitter und Temperaturen um den Gefrierpunkt (Wir haben für mehrere Wochen weder Wolken noch Regen gesehen) beziehen wir unseren Übernachtungsplatz.

Humahuaca und der 14 farbige Berg

Der nächste Tag beginnt zum Glück mit Sonnenschein und wir machen uns auf nach Humahuaca. Dort kann man den „14-farbigen-Berg“ bewundern. Eine steile Serpentinenstrecke in miserablem Zustand führt uns in knapp 20 Kilometer von 2900 Höhenmetern auf 4300 Meter hinauf. Oben angekommen parken wir Erwin auf dem großen Parkplatz und begeben uns zu Fuß zum Aussichtspunkt. Leider ist der Berg aufgrund der vielen Wolken zunächst nur teilweise zu sehen, doch wir verbringen fast den ganzen Tag dort und Stephanie konnte dann später noch ein paar tolle Fotos mit besserem Wetter machen. Der Berg ist wirklich beeindruckend. Die verschiedenen Farben entstehen durch unterschiedliche Zusammensetzungen von Mineralien die in dem Gestein hier häufig vorkommen. Je nach Sonnenstand leuchten die Felsen in Rot, Schwarz, Grün und Violett. Als am späten Nachmittag ein Gewitter aufzieht beschließen wir den Aussichtspunkt wieder zu verlassen und uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Immerhin brauchen wir für die 20 Kilometer zurück nach Humahuaca wieder fast eine Stunde.

Purmamarca

Wir verlassen das Quebrada de Humahuaca und biegen zum Paso de Jama ab, der uns ein letztes Mal über die chilenisch-argentinische Grenze bringen wird. In Purmamarca verbringen wir einen längeren Aufenthalt. Der kleine Ort hat einen tollen Artesanial Markt (Handgemachte Waren) im Zentrum und wir schlendern einige Stunden durch die Gassen. Hier gibt es natürlich auch wieder frische Tortillas vom Grill – sehr lecker. Der Ort Purmamarca wurde bekannt durch den siebenfarbigen Berg und die umliegenden Hügelketten, welche auch in den verschiedensten Farben erstrahlen. Man kann auf verschiedene Aussichtspunkte wandern und die Berge von allen Seiten fotografieren. Leider ist der Ort sehr touristisch, was wir am nächsten Tag (Feiertag in Argentinien) deutlich erleben. Das Zentrum ist voll mit Menschen. Reihenweise werden Touristenbusse abgestellt und wir beschließen uns langsam aus dem Staub zu machen.

Paso de Jama

Wir verabschieden uns langsam von Argentinien und fahren von Purmamarca aus der RN 52 entlang zum Paso de Jama. Der Pass ist mit 4200 Metern einer der höchsten Andenpässe. (Bis San Pedro de Atacama in Chile erreicht man allerdings eine Höhe von über 4800 Metern). Die Straße ist gut ausgebaut und asphaltiert. Langsam und steil geht es die Serpentinen nach Purmamarca hinauf bis zu unserem ersten Halt – den Salinas Grandes. Ein großer Salzsee den man hier auf der RN 52 durchquert. Wir machen ein paar Fotos auf dem Salzsee und fahren weiter. Schließlich ist der Pass hier noch lange nicht in Sicht und wir haben noch viele hundert Kilometer bis San Pedro de Atacama vor uns.

Weiter geht es auf der 52er bis Susques. Hier kreuzen sich die RN52 und die RN40, die vom Süden kommt und weiter bis nach La Quiaca führt. Wir bleiben auf der RN52 und erreichen schließlich die Grenzstation in Jama. Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt und der „Food-Check“ der chilenischen Grenzbeamtin fällt kurz und gutmütig aus. Ab hier, so dachten wir, müsste es dann eigentlich nur noch bergab bis San Pedro gehen. Doch weit gefehlt. Direkt hinter der Grenze steigt die Straße nochmal stark an. Weiter als bis auf 4600 Meter Höhe sind wir bisher noch nicht vorgedrungen, doch das änderte sich nun. Innerhalb von ein paar Kilometern schraubt sich die Straße von 4200 Meter auf über 4800 Meter hinauf. Erwin hatte erstaunlicherweise kaum Probleme damit. Kein Rauch, die Leistung ist noch völlig ausreichend um auch mal im vierten oder fünften Gang auf der Geraden zu fahren. Dann geht es irgendwann bergab. Und zwar nicht langsam, sondern – man könnte es fast freien Fall nennen. Die Straße vom Paso Jama nach San Pedro ist der reinste Horror. Zwar asphaltiert und gut ausgebaut, doch mit etwa 11% Steigung macht es keinen Spaß ständig das Fahrzeug runter zu bremsen. Innerhalb von 40 Kilometern geht es schnurgerade von 4700 auf 2400 Höhenmeter herunter. Wir fahren langsam, betätigen die Bremse nur kurz und lassen sie immer wieder gut abkühlen. Doch es war einfach zu heftig, die Bremsleistung ließ immer mehr nach und wir mussten anhalten. Nachdem die Bremsen abgekühlt waren fuhren wir im Schneckentempo weiter. Nur im ersten Gang mit Motorbremse um die Bremsen nicht zu überfordern. Eine Zumutung ist die Strecke schon wie wir finden. Hier fahren auch etliche 40 Tonner auf und ab, teilweise langsamer als mit Schrittgeschwindigkeit. Am Straßenrand befinden sich ungefähr alle 2 Kilometer „Emergency Exits“. Das sind abgezweigte Schotterstraßen zum Ausrollen falls die Bremsen versagen. Diese Ausfahrten wurden mit 50cm tiefem Kies aufgeschüttet sodass man auch garantiert zum Stehen kommt. Der Totalschaden ist dann Gewiss. Wir sehen einen ausgebrannten Bus und ein total zerstörtes Auto in einem Emergency Exit. Das macht ein gutes Gefühl… 😉 Wir kommen an dem Punkt vorbei, der uns in den kommenden Tagen nach Bolivien bringen wird (Paso Hito Cajón). Das heißt, wir müssen den halben Weg auch wieder hinauf… das wird ein Spaß.

Valle de la luna (San Pedro de Atacama)

Als wir in San Pedro de Atacama ankommen ist es fast Dunkel und wir suchen uns einen geeigneten Stellplatz für die Nacht. San Pedro gilt als Ausgangspunkt für Unternehmungen jeglicher Art, sodass es hier regelrecht von Touristen wuselt. Wenn wir nicht hier her müssten, würden wir auch nicht hier bleiben. Aber in San Pedro müssen wir die Grenzformalitäten erledigen, um nach Bolivien weiter reisen zu können. Am nächsten Morgen beschließen wir die Stadt gleich früh zu verlassen und uns ins Tal „Valle de la Luna“ aufzumachen. Solche mondähnlichen Täler gibt es in Südamerika einige. Ein sehr bekanntes davon ist ein paar Kilometer außerhalb von San Pedro zu bewundern. Wir verbringen fast den ganzen Tag in dem Nationalpark und klettern Sanddünen hinauf, kriechen durch enge Höhlen und besteigen ein paar Aussichtspunkte.

Valle de Arcoiris

Ein weiteres, jedoch recht unbekanntes farbenfrohes Tal ist das Valle de Arcoiris. Es wurde uns als Geheimtip empfohlen, da die Felsen hier in allen möglichen Farben erstrahlen und man (noch) nicht auf die großen Touristenmassen stößt. Zudem kostet das Tal keinen Eintritt und wir konnten dort in Ruhe übernachten. Wir stellen uns an einen großen Parkplatz und wandern ein paar Stunden durch das Regenbogental. Die Felsen hier leuchten total schön in den unterschiedlichsten Braun, Gelb, Rot und Blautönen. Als am nächsten Morgen dann ein paar geführte Touren auf dem Parkplatz ankommen, verlassen wir das Tal wieder.

Calama

Ungefähr 80 Kilometer westlich von San Pedro befindet sich die große Minenstadt Calama. In dessen Umgebung findet man die größten Kupferminen in Chile. In der Stadt leben sehr viele Arbeiter der umliegenden Minen und wir fahren eigentlich aus zwei Gründen dort hin. Zum Einen wollen wir die größte offene Kupfermine der Welt – die Chuquicamata ansehen, zum Anderen möchten wir vor der Lagunen Route in Südwestbolivien einen Check von Erwin machen lassen. Nach der Abfahrt des Paso Jama müssen auf jeden Fall die Bremsen kontrolliert werden und wir wollen eine ausgeschlagene Buchse, sowie eine gebrochene Blattfeder (Die schon beim Kauf von Erwin gebrochen war) reparieren lassen. Wir machen uns auf und fahren über die gut ausgebaute Hauptstraße von San Pedro nach Calama. Man merkt schon, dass es hier etwas rauher zugeht und Calama keinen Preis für die schönste Stadt gewinnen will. LKW´s und Pickups der Minenbetriebe bestimmen das Straßenbild. Am ersten Tag beginnen wir gleich mit der Suche einer geeigneten Werkstatt und erledigen noch kleine Einkäufe. Schöne und sichere Übernachtungsplätze gibt es leider recht wenig in Calama. Wir verbringen die Nacht an einer Shell Tankstelle zwischen den großen LKW´s und fühlen uns sicher. Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu einer Werkstatt, die von anderen „Overlandern“ bereits empfohlen wurde. Bei Manuel und seinem Team werden wir freundlich empfangen und die Mechaniker legen auch sofort los und kontrollieren die Bremsen. Wir vertreten uns die Füße im Shopping Center von Calama und melden uns auch noch für den Besuch der Chuquicamata Mine an. Die Touren zur Chuquicamata Mine starten immer in Calama vom Besucherzentrum aus. Dort wird man mit Helm und Warnweste ausgestattet und per Bus zunächst in die gleichnamige Geisterstadt Chuquicamata gebracht. Da alle Plätze für die morgige Tour ausgebucht sind, können wir uns nur auf eine Warteliste setzen lassen. Da wir aber 9 Personen vor uns haben, sehen wir unsere Chancen, die Mine am nächsten Tag besuchen zu können schon schwinden. Die Tour ist kostenlos und man kann sich per Telefon oder Internet unverbindlich anmelden. Erscheinen die angemeldeten Personen nicht, werden die Leute von der Warteliste aufgerufen. Wir hoffen auf unser Glück, da wir Erwin einen ganzen Tag für die Reparatur der Blattfeder in der Werkstatt lassen müssen. Der Besuch der Mine wäre also ideal für uns, da Calama ansonsten nicht wirklich viel zu bieten hat.

Chuquicamata

Wir haben Glück. Um 13 Uhr erscheinen wir beim Besucherzentrum und ein Mitarbeiter der Firma Codelco ruft der Reihe nach die angemeldeten Personen auf. Wir sind die letzten auf der Warteliste und können mitfahren. Scheinbar sind einige Personen nicht erschienen. Wir freuen uns sehr darüber und statten uns mit Warnweste und Helm aus. Um 13:30 Uhr etwa startet die Tour. Der Bus fährt die etwa 30 Besucher zur 25 Kilometer entfernten Stadt Chuquicamata. Nur mit Anmeldung und Genehmigung dürfen Fahrzeuge die Schranken vor Chuquicamata passieren. Bis vor 10 Jahren herrschte hier ein richtiges Leben. Mit Geschäften, einem Kino, einem Fussballstadion und Spielplätzen für Kinder. Da die Abraumhalden der Mine sowie die extreme Umweltbelastungen im Laufe der Jahre stetig zunahmen, musste die Stadt geräumt werden. Alle Einwohner wurden ins benachbarte Calama umgesiedelt. Die meisten bekamen von Codelco Wohnungen oder Häuser zu einem sehr günstigen Kaufpreis angeboten und erhielten darüber hinaus viel Unterstützung. Es ist schon erschreckend, wenn man die Stadt heute betritt. Unser Bus hielt zwei mal in der Stadt und wir durften ein paar Meter in der Geisterstadt spazieren gehen. Ein Guide erklärte verschiedene Gebäude und stand Frage und Antwort. Am Stadtrand sieht man die immer größer werdenden Abraumhalden der Mine, die bereits 50% der 25.000 Einwohnerstadt unter sich begraben haben. Nach dem Besuch der Stadt ging es wieder mit dem Bus weiter zur Mine. Hier holt unser Busfahrer wiederrum eine Genehmigung zum Passieren an der Schranke ein. Das erste Mal begegnen uns die riesen LKW´s, die mit 3 Meter Raddurchmesser unseren Reisebus wie Spielzeug aussehen lassen. Wir fahren zum einzigen Aussichtspunkt innerhalb des Minengeländes. Am Straßenrand wurde ein großer Parkplatz errichtet, auf dem man einen Überblick über die ganze Mine erhält. Hier fahren dann wie am Fließband die mit 300 Tonnen geladenen LKW´s vorbei. Insgesamt besitzt die Mine 90 Stück davon. Zum Teil wurden die Kipper aus Deutschland von der Firma Liebherr geliefert. Die Dimensionen der Mine haben uns regelrecht umgehauen. Mit 5 Kilometern Länge, 1 Kilometer Breite und 1 Kilometer Tiefe sind die Ausmaße nur schwer zu begreifen. Die gigantischen Maschinen sehen vom Aussichtspunkt aus wie Ameisen. Es ist laut und staubig. Jeder fünfte LKW ungefähr ist nicht zum Befördern von Gestein zuständig, sondern bewässert die Straße um das Aufwirbeln von Staub einzudämmen. Es ist schon gigantisch, die größte offene Kupfermine der Welt von oben zu betrachten. Nicht zu vergessen sind dabei die extremen Folgen für die Umwelt. Unmengen an Wasser verbraucht die Mine täglich. In den umliegenden Städten und Dörfern fehlt das Wasser zum Teil oder ist so stark mit Giften kontaminiert, dass es für die Menschen dort weitreichende gesundheitliche Folgen hat. Fluch und Segen ist die Mine zugleich. Momentan steht die Mine kurz vor einem Wandel. Es ist aufgrund der langen Strecken kaum mehr rentabel, das Kupferhaltige Gestein vom Boden der Mine nach Oben zu befördern. Ein LKW benötigt für eine Fahrt von unten nach oben ungefähr eine Stunde und befördert natürlich nicht nur Kupfer sondern auch viel Abraum. Ab 2019 wird die Mine unter Tage weiter geführt. Die Vorbereitungen dafür sind in vollem Gange.

4 Gedanken zu „Bunte Berge

  1. Tolle Bilder! Wir hatten damals leider nicht so viel Glück und konnten die Mine nicht besuchen. Alle Plätze waren schon belegt. Umso schöner jetzt von euch Bilder zu sehen! Genießt eure Zeit noch! Unser Auto habe ich gestern unversehrt aus Hamburg abgeholt.
    Weiter tolle Erlebnisse- freue mich von euch zu leden!
    Liebe Grüße Brigitte und Markus

  2. Hallo ihr beiden, sind beeindruckt von euren Berichten und Bildern. Würden am liebsten auch da sein. Viele liebe Grüße 🙂

  3. Echt beeindruckend!
    Die Grösse dieser Mine ist auf Fotos wahrscheinlich gar nicht zu erfassen.
    Lasst es euch noch gutgehen und genießt die Zeit!

    100000000000000 Bussis

    Mamsli

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