Bolivien

Bolivien

Hinter uns liegt das wohl spannendste und abenteuerreichste Land unserer bisherigen Reise – Bolivien, deshalb ist das hier wohl auch der bisher längste Reisebericht – also nehmt euch viel Zeit ;-). Etwas über 6 Wochen haben wir das Land kennenlernen dürfen. Angefangen vom kalten Hochland im Südwesten und der „Lagunenroute“ bis zum unendlich heißen Flachland im Dschungel, wo wir das erste Mal richtig mit Magen-Darm Problemen, Moskitos und der Hitze zu kämpfen hatten. Natürlich haben wir uns auch die Großstädte Sucre und La Paz nicht entgehen lassen. Wir können Bolivien uneingeschränkt empfehlen. Man spürt zwar recht deutlich, dass es sich um das ärmste Land Südamerikas handelt, doch die Menschen waren zu uns immer freundlich und hilfsbereit. Nur selten hatten wir ein unsicheres Gefühl oder fühlten uns nicht willkommen. Das größte Problem in Bolivien – was auch das Reisen mit dem Fahrzeug manchmal anstrengend und nervenaufreibend macht, ist die Korruption der staatlichen Behörden und die weit verbreitete Ansicht, dass Touristen reine Goldesel sind und man jederzeit den dreifachen Preis für Lebensmittel, Fährpassagen oder Dienstleistungen verlangen kann.

Wir beginnen unser Bolivien-Abenteuer gleich mit einem Härtetest für uns und unseren Erwin. In San Pedro de Atacama (Chile) füllen wir den Tank sowie unsere 40 Liter Reserve randvoll. Auf der berüchtigten Lagunenroute im Südwesten Boliviens gibt es keine Tankmöglichkeiten. Im schlimmsten Fall sind mehr als 600 Kilometer in über 4000 Höhenmetern zu überwinden. Man muss dabei beachten, dass normale Motoren in dieser Höhe deutlich mehr Benzin oder Diesel verbrauchen. Wir haben viel über die Route gelesen und uns informiert. Grundsätzlich handelt es sich um einen für Allradfahrzeuge ausgelegten Nationalpark, der den Paso Hito Cajon (Grenze Chile – Bolivien) und die größeren Ortschaften wie z.B. Uyuni in Bolivien miteinander verbindet. Will man über diesen Weg nach Bolivien reisen, sollte man sich gut vorbereiten.

Paso Hito Cajon

Wir fahren von San Pedro aus die 40 Kilometer lange Steigung bis zum Grenzübergang nach Bolivien hinauf. Erwin hat es nicht leicht, denn es geht teilweise nur im ersten Gang bergauf. Die Steigung ist wirklich heftig, wie wir ja schon beim herunter fahren spüren durften. Oben angekommen, werden wir freundlich von den chilenischen Grenzbeamten empfangen. Unsere Pässe werden gestempelt und unser Auto wird vom Aduana (Zoll) „ausgecheckt“. Die Grenze zu Bolivien befindet sich dann nach ungefähr 5 Kilometer hinter der Chilenischen. Auf einer guten Schotterstraße fahren wir die 5 Kilometer zum Grenzhäuschen. Und es war wirklich nur eine Hütte. Wie in einer anderen Welt angekommen erwartet uns ein kleines gemauertes Häuschen, welches man niemals als Grenzposten interpretieren würde. Zwei Grenzbeamte stempelten unsere Pässe und erteilten uns ein 90 Tage Visa. Erwin wurde daraufhin auch noch kontrolliert, doch das war mehr aus Neugierde. Der Grenzbeamte hätte sich über etwas Bier oder Wein gefreut, das haben wir sofort bemerkt. Leider hatten wir nur Wasser dabei. Unser verbleibendes Fahrrad hätte er uns gerne abgekauft, doch als wir ihm erklärten dass es ein „Regalo de la Abuela“ ist, wünschte er uns mit einem Lächeln eine gute Reise und einen schönen Aufenthalt in Bolivien. Ein absolut unkomplizierter und schneller Grenzübergang von Chile nach Bolivien. Damit haben wir nicht gerechnet.

Reserva Nacional Eduardo Avora

5 Kilometer nach dem Grenzübergang erreichten wir den Eingang zum Park. 150 Bolivianische Pesos beträgt der Eintritt derzeit pro Person. Das sind umgerechnet etwa 17 €. Wir ließen uns die Hauptattraktionen von der Ranger Dame auf der Karte zeigen und starteten ins Abenteuer. Wir waren also nun auf der berüchtigten Lagunenroute.

Tag 1 – Von der Laguna Blanca zum Salar de Chalviri

Mit großem Respekt schauten wir den kommenden Tagen entgegen. War in sämtlichen Internetforen und Reiseberichten doch immer von schrecklichen Pisten, unendlich grausamen Wellblechpassagen und Abschnitten mit Tiefsand die Rede. Wir haben viel Zeit eingeplant und gingen es ganz langsam an. Erst mal Luft aus den Reifen lassen. Mit ca. 20% weniger Luftdruck fährt es sich wesentlich angenehmer und man schont Reifen und Fahrwerk. Die ersten Kilometer zu den Lagunen Blanca und Verde waren schon anspruchsvoll. Ohne „high clearance“ hätten wir hier schon keine Chance mehr gehabt. Die sandigen Wege waren ausgewaschen und die Spurrillen teilweise Knietief. Die 30 Zentimeter, die wir bis zum Differential Luft haben, reichten gerade so aus. An der Laguna Blanca machten wir das erste Mal eine kurze Essenspause und einige Fotos. Wir fuhren am Südufer entlang und durch einen kleinen Überlauf zwischen der Laguna Blanca und der Laguna Verde hindurch. Ab dann wurde es wirklich holprig. Große Felsbrocken, tiefe Spurrillen und weicher Sand erschwerten uns das Vorankommen. Mit Schrittgeschwindigkeit und vorsichtiger Fahrweise erreichten wir dann den Aussichtspunkt an der Laguna Verde. Hier bekamen wir einen tollen Blick auf beide Lagunen und sogar ein neugieriger Fuchs schaute vorbei. Die weiteren Kilometer schlängelte sich die Straße dann durch das Altiplano. Hier sahen wir doch tatsächlich einen Grader der die Straße planierte… wir haben nicht gedacht dass der Park über so etwas verfügt 🙂 Angekommen am Salar de Chalviri erkundigten wir uns zunächst nach einem Stellplatz für die Nacht und genossen anschließend ein richtig schönes Bad in einer Thermalquelle. Das Wasser ist knapp 40°C warm und es ist einfach herrlich, sich mit einem derartigen Ausblick in dem Thermalbecken aufweichen zu lassen. Wir wollten gar nicht mehr raus…

Tag 2 – Vom Salar de Chalviri über das Geysirfeld Manana de Sol zur Laguna Colorada

Der zweite Tag führte uns nach einer bitterkalten Nacht (ca -10 Grad °C) zur Hauptattraktion des Parks, der Laguna Colorada. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt beim höchsten Geysirfeld der Welt – dem Sol de Manana. Erwin parkten wir auf der Hauptstraße und wanderten die zwei Kilometer zum Geysirfeld runter, da der Weg dorthin definitiv nur für hochgeländegängige Fahrzeuge geeignet war. Schon von einigen Metern Entfernung konnte man das Geysirfeld riechen. Der typische Schwefelgeruch… wie faule Eier. Es blubberte und Dampf schoss aus dem Boden. Schon erstaunlich, dass nur knapp unter der Oberfläche eine solche Hitze und Druck herrschen. Zunächst konnten wir alleine durch die Geysire laufen und tolle Fotos machen, doch dann kamen wieder die Landcruiser und Pajerso in Scharen und karrten eine Touristengruppe nach der anderen her. Wir machten uns also langsam aus dem Staub und gingen zurück zu Erwin. Das war ganz schön anstrengend. Es waren zwar „nur“ 2 Kilometer, jedoch auf 4900 Metern Höhe. Alle paar Meter mussten wir anhalten und eine Pause einlegen (Nicht nur Matthias, Stephie auch ;-)). Nach einer ausgiebigen Brotzeit und Verschnaufpause machten wir uns auf den Weg zur Laguna Colorada. Von dem Geysirfeld ging es stetig bergab, jedoch war die Piste wieder in einem katastrophalen Zustand. Es wären nur 80 Kilometer gewesen, doch bei Schrittgeschwindigkeit kann sich das ganz schön ziehen. Zwei Radler aus der Schweiz, die wir bereits am Salar Chalviri kennengelernt haben, waren auch unterwegs zur Laguna und offensichtlich mit den Nerven und Kräften ca. 20 Kilometer vorm Ziel am Ende. Die Straße verlangte Radfahrern alles ab. Den Großteil haben die Beiden scheinbar schieben müssen da der Wind und die Straßenverhältnisse einfach zu heftig waren. Zum Glück hat Erwin Platz für zwei weitere Fahrräder, sodass wir die Beiden kurzerhand aufgeladen und die letzten Kilometer mitgenommen haben. Nach einer weiteren Stunde Schrittgeschwindigkeit kamen wir am Refugio an der Lagune an. Nach diesem anstrengenden Tag fielen wir auch schon bald ins Bett. Diesmal war die Nacht nicht ganz so kalt und wir konnten uns zum Glück in den Windschatten eines Hauses stellen.

Tag 3 – Von der Laguna Colorada nach Villa Mar

An der Laguna Colorada entschied sich unsere weitere Route. Man kann von dort aus Richtung Norden weiterfahren – die eigentliche und wesentlich härtere „Lagunenroute“, da man hier auf wirklich felsige Pisten und viel Tiefsand stößt. Oder man wählt die „Light“-Option und fährt die Hauptstraße weiter Richtung Villa Mar, einem kleinen Ort mit ein paar hundert Einwohnern. Man bekommt hier auf jeden Fall wieder Wasser, Lebensmittel und Diesel. Wir sprachen mit einigen Reisenden, die von Norden her kamen in welchem Zustand die Piste denn sei. Sie sagten mit unserem Auto – no Chance. Selbst mit den Landcruisern hatten sie Probleme durch den tiefen Sand zu kommen und die „Straße“ sei wirklich katastrophal derzeit. Der Tiefsand hat uns gar nicht sooo abgeschreckt, vielmehr die steinigen und ausgewaschenen Abschnitte. Wir sind zwar schon die unmöglichsten Strecken gefahren und waren jedes Mal erstaunt wo wir überall hinkommen, doch man muss es nicht herausfordern und die bis dato gefahrenen Kilometer auf der Lagunenroute waren für uns genug Offroad-Spaß. Zu sehr strapazieren wollen wir Erwin dann auch nicht 😉 So entschieden wir uns die „Light“-Version zu fahren. Am Südufer der Laguna Colorada entlang fuhren wir zum Aussichtspunkt, bei dem man einen guten Überblick über die Lagune erhält und man tausende Flamingos beobachten kann. Bestimmt 100 Fotos machten wir in der Zeit an dem Aussichtspunkt. Man kommt hier auf wenige Meter an die Flamingos heran und spürt, dass die Tiere hier doch schon ein bisschen an den Mensch gewöhnt sind. So nah haben wir bisher keinen Flamingo vor die Linse bekommen. Wir setzen unsere holprige Fahrt fort und quälen uns und Erwin durch schier endlose sandige und felsige Pisten. Bis wir am späten Nachmittag in dem beschaulichen Dorf Villa Mar ankommen. Die Menschen grüßen uns freundlich und wir fragen, wo wir denn über Nacht parken dürfen. „Überall – wo wir wollen… am Fluss, am Stadtplatz, egal wo…“ – so die Antwort eines netten Herren am Dorfplatz. Wir entschieden uns für den Fluss und schliefen neben dem Fussballplatz des Dorfes an einem gluckernden kleinen Bach.

Tag 4 – Villa Mar bis Uyuni

Der Tag hatte nicht wirklich viel zu bieten. Wir wussten, dass es bis Uyuni noch ein weiter Weg ist und uns dazwischen nicht viel Sehenswertes erwartet. So standen wir früh auf um die letzten Kilometer bis Uyuni in Angriff zu nehmen. Uyuni war unser nächstes Ziel, da wir den Eisenbahnfriedhof und den Salar de Uyuni ansehen wollten. Von Villa Mar bis Uyuni bekamen wir nochmal richtig die bolivianischen Straßen zu spüren. Wellblech soweit das Auge reichte und Schlaglöcher die unsere Slalom Fahrkünste auf ein ganz neues Level hoben. Auch der bolivianische Verkehr, von dem wir schon viel gehört hatten, zeigte sich hier von seiner besten Seite. Im Grunde fährt jeder wie er will. Verkehrsregeln sind eher eine Empfehlung als Regeln und die Hupe ist sowieso das wichtigste Instrument eines Autos. Funktioniert die Hupe nicht mehr, funktioniert eigentlich das ganze Auto nicht mehr. Man hupt in Bolivien eigentlich immer. Wenn man los fährt, wenn man abbiegt, wenn man jemanden am Straßenrand kennt, wenn derjenige nicht schon bei Orange losfährt und wenn man überholt sowieso. Wir werden überholt – mal links, mal rechts, mal im Überholverbot, mal in gefährlichen Kurven ohne dass man das Ende der Kurve sieht. Die meisten Bolivianer fahren auch ohne Licht, und das noch spät abends wenn es schon fast dunkel ist. Also der Verkehr hier ist eine ganz andere Liga. In der Dämmerung erreichen wir den Zug Friedhof von Uyuni und machen noch ein paar tolle Aufnahmen im Sonnenuntergang.

Uyuni

Am kommenden Morgen stürzen wir uns gleich mal in einen großen bolivianischen Wochenmarkt. Wir checken die Preise für Lebensmittel aus und kaufen voller Freude ein. So günstig wie hier war es nämlich auf der bisherigen Reise noch nirgends. Obst und Gemüse gibt es für umgerechnet ein paar Cent, frisch gegrillte Truchas (Forellenart) oder diverse andere frische Speisen für ein paar Euro. Es macht wirklich Spaß und die Menschen begegnen uns zum Großteil sehr freundlich und offen. Lediglich die ältere Generation, so haben wir zumindest das Gefühl, wirkt sehr grimmig und distanziert. Dass wir hier mit den Lebensmitteln aufpassen müssen wird uns recht schnell klar. Alle Lebensmittel liegen offen in der prallen Sonne. Egal ob Fisch, Fleisch oder Geflügel. Die frisch zubereiteten Mittagessen sehen zwar toll aus und riechen natürlich extrem lecker über den ganzen Markt, doch darf man nicht genauer hinter die Kulissen der Straßenküche schauen. Die hygienischen Zustände sind noch weit hinter den uns gewohnten und unsere Mägen reagieren auf diesen Umstand schon mal rebellierend. Doch das haben wir erst später erfahren dürfen. Auf den Salar de Uyuni wollten wir natürlich auch fahren, jedoch stand dieser soweit unter Wasser, dass wir unser Auto damit komplett ruiniert hätten. Das aggressive Salz ist ohnehin schon gefährlich für das Fahrzeug, doch Salzwasser ist der sichere Tod für sämtliche Teile am Unterboden. Zudem hätten wir ohne Allrad sowieso keine Chance gehabt durch zu kommen. So haben wir einfach den anderen dabei zugesehen wie Sie ihre Autos durch das Salzwasser manövriert haben. Es waren auch ein paar mutige Motorradfahrer dabei, die es gerade so durch das Wasser geschafft haben. Die Motorräder waren danach komplett weiß und mit einer salzigen Kruste überzogen. Der Salar ist aber grundsätzlich sehr beeindruckend und wir konnten von dem Einstiegspunkt die Größe zumindest teilweise erahnen. Ohne Sonnenbrille und Sonnencreme hätten wir es selbst dort am Rand nicht ewig ausgehalten. Interessant zu sehen waren auch ein paar Arbeiter, die mit ihren alten rostigen Pickups jeden Tag Salz aus dem Salar holen, verpacken und verkaufen. Für umgerechnet ein paar Euro am Tag nehmen die Menschen hier diese schweißtreibende und auch gefährliche Arbeit auf sich. Komplett vermummt zum Schutz vor der Sonne schuften Sie jeden Tag auf fast 4000 Meter Höhe – Respekt!

Potosi

Nach Uyuni haben wir uns recht schnell auf den Weg nach Sucre gemacht. Auf dem Weg nach Potosi bekommen wir richtig zu spüren wie schwer es für Ausländer sein kann an preiswerten Diesel zu kommen. In Bolivien gibt es nämlich ein Gesetz, sodass Tankstellen für „Extranjeros“ einen viel höheren Preis verlangen müssen als für Einheimische. Der Liter Diesel kostet für Bolivianer 3,72 BOL (ca. 40 Cent) und für Ausländer 8,80 BOL (ca. 1€). Und da viele Tankwärter den Mehraufwand für die Abrechnung scheuen oder schlichtweg nicht wissen, verkaufen sie einfach keinen Diesel an Touristen. So fahren wir von Tankstelle zu Tankstelle um wenigstens einen 20 Liter Reservekanister ergattern zu können. In den Regionen um Uyuni und Santa Cruz ist es wirklich schwierig an Diesel zu kommen. Und wenn, dann gibt es überhaupt keine Chance die 8,80 BOL zu verhandeln. Während wir im Norden des Landes oft zum Einheimischen Preis tanken konnten und nie Probleme hatten überhaupt an Diesel zu kommen. Das Gesetz scheint also nicht ganz durchgängig zu sein bzw. wird es je nach Region unterschiedlich kontrolliert. Überwachungskameras, die das ausländische Kennzeichen filmen und den Tankwart zur korrekten Abrechnung zwingen sollen hängen auf jeden Fall in jeder noch so kleinen Dorftankstelle. In Potosi befindet sich der berühmte „Berg der Menschen frisst“ – der Cerro Rico. Die Bolivianer bauten dort jahrelang Silber ab. Der Berg wird oft mit einem Käse verglichen, der von Mäusen durchzogen ist. Etliche Gänge und Schächte wurden in den Berg gegraben und gesprengt. Mit verheerenden Folgen – unzählige Bergarbeiter haben dort schon ihr Leben verloren. Die Stadt Potosi wurde durch die hohen Silbervorkommen in dem Berg reich. Bis die Spanier einfielen, den Berg sozusagen ausbeuteten und das ganze Silber nach Europa brachten. Seitdem ist die Region bettelarm und nur noch wenige Minenarbeiter brechen am frühen Vormittag auf um nach Silber zu graben. Wir fahren nur kurz durch Potosi und sehen uns den Cerro Rico von weitem an. Die Steigungen in der Stadt sind unglaublich. Potosi wurde direkt in die Berge gebaut und wenn man durch die Straßen fährt, gelangt man schnell in Gassen, die man kaum zu Fuß erklimmen kann. Nichts für unseren Erwin. Wir bleiben auf der breiten Hauptstraße und verlassen Potosi wieder in Richtung Sucre.

Sucre

Die Straße nach Sucre ist ein Highlight. Eine zweispurige frisch asphaltierte Straße mit Mittelstreifen, Begrenzungsleuchten und allem Drum und Dran. Eigentlich nichts Besonderes, werden sich jetzt viele denken. Doch in Bolivien ist das eine absolute Ausnahme. Steinige, mit Schlaglöchern überzogene Schotterpisten auf denen auch plötzlich mal 50 Rinder im Weg stehen können sind da eher die Regel. Wir freuen uns, bezahlen gerne die Maut von umgerechnet 50 Cent und rollen ungewohnt leise auf dem Highway dahin. Entspannung pur. In Sucre angekommen bemühen wir uns erst einmal nach einem Stellplatz für die Nacht bzw. die kommenden Nächte. Ein öffentlicher Parkplatz in einer Querstraße abseits des Zentrums sollte fürs Erste genügen. Es war ruhig dort, wir konnten Erwin guten  Gewissens alleine stehen lassen und es waren nur ein paar Minuten zu Fuß ins Zentrum. Die Innenstadt von Sucre ist wahrlich ein Traum. Alle Häuser sind im Kolonialstil gebaut und strahlen leuchtend weiß. Es gibt unglaublich viel zu entdecken in Sucre. Das Schöne ist, dass sich hier das alte Traditionelle und das Moderne vereint. Es gibt Märkte, auf denen die umliegenden Bauern ihre Lebensmittel verkaufen und am anderen Ende der Innenstadt gibt es schicke Restaurants, Geschäfte und ein lebhaftes Treiben am Stadtplatz. Nach den anstrengenden vergangenen Tagen beschließen wir ein paar Tage in Sucre zu bleiben und quartieren uns das erste Mal seit Uruguay in ein Hotel ein. Ein gemütliches Zimmer mit eigenem Bad, ruhigem Schlafplatz, einem großen Frühstücksbuffet und etwas Entspannung ist genau das was wir jetzt brauchen. Für drei Tage sind wir im Hotel „Su Merced“ und fühlen uns richtig wohl. Die täglichen Spaziergänge in die Stadt, das Bummeln auf den riesigen Märkten und die tolle Abendstimmung in Sucre hätte uns fast nicht mehr los gelassen. Doch wir wollen ja noch mehr von Bolivien sehen, und so machen wir uns weiter Richtung Santa Cruz auf.

Parque Cretacico in Sucre

Ein paar Kilometer nach Sucre befindet sich ein Park, in dem man originale 68 Millionen Jahre alte Dinosaurier Spuren ansehen kann. Uns haben die Fußspuren sowie die lebensgroßen Nachbildungen von Dinosauriern echt umgehauen. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich unbedingt auch mal die „Dino-Spuren“ in Deutschland ansehen. Laut unserem Guide gibt es dort welche. Grundsätzlich handelt es sich bei den Fußspuren einfach um Fußabdrücke, die im Laufe der Jahre versteinert und von der Erosion zugedeckt wurden. Vor Millionen Jahren befand sich auf dem Parkgelände ein See, zu dem die Dinosaurier gingen um zu trinken. Der Boden war damals recht „lehmig“ bzw. fest, sodass sich die Abdrücke gut erhalten haben. Mit der Zeit hat sich dann das damalige Terrain zu einem Berg bzw. einer Mauer geformt und die Fußabdrücke wurden von Wind und Wetter wieder freigelegt. Man kann die Spuren nun an einer 1,5 Kilometer langen Mauer bestaunen. Der Guide hat uns genau erklärt welche Dinosaurier dort zu der Zeit lebten und welche Fußabdrücke zu welchem Dino gehören. Die Tour war sehr interessant und man kann sich nur schwer vorstellen, dass die Spuren tatsächlich mal von riesigen Dinosauriern getrampelt wurden.

Ein halbes Jahr „Im Erwin unterwegs“

Auf unserem Weg Richtung Dschungel bleiben wir in dem kleinen Ort Samaipata stehen und wollen zur Feier unseres 6 monatigen Reisens einen Restaurantbesuch einlegen. Am Hauptplaza des Ortes stellen wir Erwin ab und gehen gleich gegenüber in ein kleines Restaurant, welches mit einem leckeren „Menu del dia“ wirbt. Solche Menüs werden hier oft angeboten. Es gibt immer eine Vorspeise, eine Hauptspeise und ein Dessert oder ein Erfrischungsgetränk zu einem günstigen Preis. Wir sitzen uns also in das Lokal, winken der Bedienung und warten. Und warten… und warten… nach dem zweiten Anlauf werden uns dann nach 15 Minuten endlich mal die Speisekarten gebracht und wir können unsere Getränke bestellen. Diese werden dann unverzüglich auch eine knappe halbe Stunde später gebracht. Wir beschließen zu bezahlen und dem unterirdischen Service zu entfliehen, doch die Bedienung kommt und fragt was wir gerne Essen würden. OK… wir gaben ihr noch eine Chance und bestellten zweimal das Menu del dia. Und warten… und warten… wieder 20 Minuten. Dann fragen wir höflich nach wie es mit unserem Essen denn aussieht und die Bedienung schickt daraufhin eine andere Bedienung welche uns erklärt, dass ein Menu del dia leider aus ist!!! und wir etwas anderes bestellen müssen. Wie kann ein Menu del dia ausgehen… 99% der Gäste bestellen das. Spricht auf jeden Fall für das Restaurant. Wir bedanken uns für den guten Service, bestellen alles ab, bezahlen und lassen uns bis auf den letzten Cent das Wechselgeld rausgeben. Da es nun schon spät ist und wir keinen Bock mehr auf ein anderes Lokal haben gehen wir genervt in unser trautes Heim und kochen uns noch eine Kleinigkeit. Trotzdem haben wir uns den Abend nicht vermiesen lassen und uns noch ein paar lustige Stunden im Erwin gemacht. Unsere „Minibar“ bietet ja alles was das Herz begehrt 😉

Bermejo

In der Nähe von kleinem Nest haben wir am Morgen nach dem schlechtesten Restaurant der Welt eine ausgiebige Wanderung unternommen. Es gibt dort eine Wanderung an einem Fluss entlang, inklusive nasser Füße. Leider konnten wir keinen Tucan erspähen (Stephanie will unbedingt irgendwo einen Tucan sehen), doch die Wanderung war wirklich schön und die vielfältige Natur in Bolivien bekommen wir hier das erste Mal richtig zu sehen. Mehrere Male müssen wir unsere Schuhe ausziehen und durch den hüfthohen braunen Fluss waten. Das kostete beim ersten Mal schon etwas Überwindung… man weiß ja nicht welche Viecher sich so im Wasser dort befinden.

An einem kleinen Fluss schlagen wir für zwei Nächte ein kleines Lager auf. Es ist sehr ruhig dort und wir genießen die Sonne und die Nähe zum Wasser. Ganz ungeplant sind wir dann zur dortigen Kindebetreuung geworden. Ein paar Kids haben uns entdeckt und stehen ganz plötzlich vor unserem Auto und schauen uns mit neugierigen großen Augen an. Als wir das Eis mit ein paar netten Worten brechen, können wir gar nicht so schnell schauen wie sie unseren Erwin belagern. Alles muss entdeckt werden. Dass unser Auto eine Küche hat, man darin schlafen kann und auch noch echtes Wasser aus dem Wasserhahn kommt hat die Kids total umgehauen. Es ist schon unglaublich, dass die Kinder hier noch für banale Sachen wie z.B. ein Fernglas zu begeistern sind. Vieles was wir im Erwin dabei haben, hatten die Fünf in ihrem Leben wahrscheinlich noch nie gesehen. Es war sehr schön den Kindern alles zu zeigen und ihre Neugier zu befriedigen, doch hat es uns auch sehr nachdenklich gemacht und uns gezeigt wie gut es uns eigentlich in Deutschland geht. Eine tolle, wenn auch zwischenzeitlich anstrengende Erfahrung.

Santa Cruz de la Sierra

In Santa Cruz machen wir wieder mal einen großen Boxenstopp. Für die bevorstehenden Tage im Dschungel decken wir uns mit Lebensmittel und Wasser ein. Santa Cruz ist riesig und man bekommt alles was man braucht. Die Stadt soll laut den Bolivianern einmal ein richtiges Handelszentrum von Südamerika werden (Santa Cruz liegt direkt in der Mitte Südamerikas) und ist auch auf einem guten Weg dahin.

Concepcion

Immer weiter geht es in den Dschungel hinein. Wir wollen uns eine Kirche der Jesuiten Mission ansehen und fahren nach Concepcion. Es gibt in Bolivien eine richtige Rundtour, bei der man alle Kirchen der Mission ansehen kann. Die Kirchen dienten als Zufluchtsort und wurden aufwändig restauriert. Man kann dort viel traditionelle Handwerkskunst sehen. Die Jesuiten haben z.B. die massiven Säulen der Kirche in Concepcion von den Einheimischen schnitzen lassen, um diese alte Tradition dort ein bisschen aufrecht zu erhalten. In Concepcion ist es schon richtig schwül heiß und uns läuft das Wasser runter. Da wäre doch so ein See die perfekte Abkühlung. Doch als wir uns in der Touristeninfo über den See in Concepcion erkundigen, wird uns erklärt dass man hier besser nicht baden soll. Es gibt nämlich Piranhas im See. Na toll… die Abkühlung muss also noch warten. Trotzdem stellen wir uns mit Erwin eine Nacht an den See und schauen Ihn zumindest beleidigt an.

Trinidad

Eine etwas größere Stadt im bolivianischen Dschungel ist Trinidad. Eigentlich wäre es kein weiter Weg dorthin gewesen, doch wir hatten noch keine Vorstellung wie grausam bolivianische Straßen sein können. Es waren mehr Löcher als Asphalt. Im ersten und zweiten Gang ging es voran. Wir schafften gerade mal die Hälfte der Strecke und fielen im Garten von amerikanischen Auswanderern K.O. ins Bett. Davor waren wir bei der Stellplatzsuche in ein sehr armes Dorf geraten. Das war kein sehr schönes Erlebnis. Die Menschen dort „hausten“  in kleinen Hütten, die zum Teil aus Wellblech und zum Teil aus alten Paletten oder Holzresten bestanden zwischen Kühen, Schweinen und Müll mit der ganzen Familie. Ein Anblick, der uns schon irgendwie traurig und nachdenklich machte. Am nächsten Morgen fuhren wir früh los um die grausige Strecke bis Trinidad hinter uns zu bringen. Wir kamen am späten Nachmittag an und stellten uns wieder an einen See. Und diesmal hatten wir Glück – dutzende Einheimische badeten in dem See. Stephanie hüpfte gleich mal hinein und erhoffte sich die lang ersehnte Abkühlung. Doch das Wasser war warm wie in einer Badewanne. Also „saftelten“ wir eben weiter. Um Punkt 7 Uhr abends kam plötzlich die Polizei an den See und wie bei einer Razzia waren auf einmal alle verschwunden. Kein einziger Einheimischer war mehr am See – nur noch wir zwei standen verdutzt da. Als die Polizei wieder verschwand fragten wir einen Herrn wieso denn alle so schnell die Flucht ergreifen wenn die Polizei kommt. Die Antwort: „Baden ist hier strengstens verboten weil es Anacondas und Piranhas im See gibt“ – so viel zum Thema, wo Einheimische Baden kann es nicht gefährlich sein!

Auf dem Weg nach Rurrenabaque

Nach Trinidad ging es weiter in den Westen. Wir wollten weiter in den Dschungel hinein und in die Stadt Rurrenabaque. Diese gilt als idealer Ausgangspunkt für Dschungeltouren. Viele Touristen landen hier und unternehmen dann geführte Touren in den Dschungel bzw. die sog. „Pampas“. Es geht also weiter auf der unglaublich schlechten Straßen nach Westen. Dabei wurden wir von zwei Fährpassagen überrascht, die man benötigt um zwei Flüsse zu überqueren. Es waren keine wirklichen Fähren, lediglich schwimmende Plattformen aus etlichen Holzbrettern die dann von einem kleinen Motorboot geschoben wurden. Wir hatten schon ein mulmiges Gefühl mit unseren 3 Tonnen auf diese Nussschale zu fahren, aber es ging alles gut. Nicht so gut war allerdings der „freundliche“ Fährmann, der in uns den europäischen Goldesel sah. So verlangte er nach der Überfahrt ganz dreist einen viel höheren Preis als üblich. Nachdem wir ihm erklärten dass wir keine reichen Europäer sind und gefälligst den gleichen Preis wie die Einheimischen wollen und bestimmt auch nicht mehr bezahlen kippte die Stimmung etwas. Nach einigen Minuten Diskussion einigten wir uns auf einen Preis der für uns akzeptabel war. Leider kommen solche Situationen in Bolivien öfter vor und man sollte sich am besten immer erkundigen welchen Preis Einheimische bezahlen und noch besser – die Preise vorher verhandeln. Das war hier aber „zufälligerweise“ nicht möglich. Entschädigt wurden wir nach den beiden Fähren (bei der zweiten wieder die gleiche Abzocke) von einigen Flussdelfinen auf die wir uns schon lange gefreut haben. Im Dschungel gibt es rosa Flussdelfine die sich nicht selten auch sehen lassen. Von einer Brücke aus konnten wir bestimmt 5 oder 6 Delfine beobachten. Ein toller Anblick waren auch die Wasserschweine, die sich immer wieder am Wegesrand im Dreck gesuhlt haben. Nach einer weiteren Nacht hatten wir noch 100 Kilometer bis zur Abzweigung nach Rurrenabaque. Doch die hatten es wirklich in sich. Den ganzen Tag haben wir dafür gebraucht. Unterwegs haben wir einmal bei einem Einheimischen den Reifen gewechselt. Es war vermutlich ein Tour Guide der zwei ältere Damen durch den Dschungel kutschierte. So wie er versucht hatte den Reifen zu wechseln hätte er dafür sicher noch einen Tag gebraucht und seinen 4×4 Jeep völlig ruiniert. Noch dazu war er irgendwie „abwesend“… er hatte wohl einen zu viel durchgezogen. Aber man hilft ja gerne. Der Reifen war schnell gewechselt und wir konnten weiterfahren. Später zogen wir dann auch noch einen Einheimischen aus dem Schlamm. Die Piste war zum Teil nicht mal zu Fuß begehbar und wir hatten selbst schon Mühe mit Erwin durch zu kommen. Der Fahrer hatte sich komplett festgefahren und saß schon mit dem Motor auf. Es ging nicht mehr vor und zurück. Aber man hilft ja gerne. Hätten wir eigentlich von den zig anderen Bolivianern erwartet, die daran vorbei fuhren. Doch in Bolivien ist es irgendwie nicht so üblich sich gegenseitig zu helfen. Wenn überhaupt wird man in so einer Situation angehupt um Platz zu machen. Erwin zog einmal kurz an und der kleine Van war wieder befreit. Der Fahrer war sichtlich erleichtert und natürlich sehr dankbar. Wahrscheinlich wäre er heute noch dort wenn wir ihm nicht geholfen hätten. An der Abzweigung nach Rurrenabaque angekommen waren wir echt fertig. Selten war eine Fahrt so anstrengend. Die Straße ist bisher unübertroffen und wir würden kein zweites Mal dort fahren. Dass wir nach Rurrenabaque abgebogen und nicht direkt weiter nach La Paz, und damit raus aus dem anstrengenden Dschungel gefahren sind verdanken wir der frisch geteerten Straße dorthin.

Rurrenabaque

Viel länger als geplant saßen wir, nicht ganz freiwillig in diesem eher touristischen, aber schönen gemütlichen Ort fest. Rückblickend hat es sich aber total gelohnt dass wir den Umweg nach Rurrenabaque auf uns genommen haben. Wir wollten unbedingt eine Tour in die sog. Pampas machen. Man bezeichnet den angrenzenden Dschungel und dessen Sumpfgebiete so. Es gibt unzählige Agenturen und Anbieter die solche Touren organisieren. Im Grunde sind alle Touren gleich und unterscheiden sich nur in der Aufenthaltsdauer im Dschungel und in der Ausstattung der Dschungel-Lodges in denen man dann übernachten kann. Zunächst wollten wir eine dreitätige Tour in die Pampas buchen, doch irgendwie verging uns bei den ganzen Touristenströmen darauf die Lust. Solch durchorganisierten und auf Touristen zugeschnittene Touren sind nicht so unser Ding. Wir wollten das irgendwie „individueller“ erleben. Also machten wir uns gleich auf und erkundigten uns nach den verschiedenen Möglichkeiten. Wir haben uns dann entschieden, nur einen Tag die Pampas zu besuchen. Wir wollten nicht im Dschungel übernachten, sondern eigentlich nur einen Ausflug von Vormittag bis spät Nachmittag machen. Da sind wir auf Ibre gestoßen. Über die App „iOverlander“ haben wir erfahren, dass er als Einheimischer private Touren anbietet und sich zeitlich, sowie vom Programm her von den ganzen Touristenbooten abhebt. Er bringt einen direkt an die sehenswerten Orte im Sumpf und führt keine Massen, sondern eben nur kleine Gruppen oder Paare. Das hörte sich für uns sehr gut an, und so beschlossen wir mit Ibre Kontakt aufzunehmen. Doch das war nicht so einfach. Wir hatten zwar eine Telefonnummer, doch keine bolivianische Sim Karte mit der wir ihn hätten anrufen können. So sind wir einfach mal los getigert und haben uns in dem Dorf, in dem er angeblich lebt mal an den Hauptplatz gestellt. Das Dorf gilt auch als Ausgangspunkt der Bootstouren. Von Rurrenabaque bis dorthin waren es ungefähr 2 Stunden Fahrt. Wir standen also am Hauptplatz und wollten einfach mal ein paar Leute nach Ibre fragen, da kam ein Mann Mitte 30 auf einem Moped um die Kurve geschossen und stellte sich vor uns. Es war Ibre, der scheinbar schon geahnt hatte dass wir eine Dschungeltour machen wollen. Wir haben dann mit ihm kurz geplaudert und uns gleich für den nächsten Tag verabredet. Um 06:00 Uhr früh ging es dann los. So, dass wir vor den ganzen Touris noch in den Dschungel kommen und in Ruhe alle Tiere beobachten können. Unser Fazit: Ein perfekter Ausflug der für uns nicht besser hätte sein können. Ibre ist ein total lustiger und netter Bolivianer, der sich nebenbei ein paar Euro mit Führungen in den Dschungel verdient. Den ganzen Tag waren wir mit ihm auf dem Wasser und haben so viele verschiedene Tiere gesehen. Es war wirklich gigantisch. Ibre war selbst überrascht und hat uns gesagt, dass er selten so viele Arten an einem Tag zu Gesicht bekommt. Gleich zu Beginn wurde unser Boot von einigen Flussdelfinen umkreist. Immer wieder sind die Delfine aufgetaucht und wir waren schon zu Beginn der Tour richtig beeindruckt. Mit dem Langboot ging es immer weiter in das Sumpfgebiet hinein. Vorbei an unzähligen geschützten Vögeln fuhren wir zu einem Platz, an dem sich laut Ibre immer wieder Affen rumtreiben. Ein paar große Affen konnten wir auch in den Bäumen erspähen, doch als wir mit dem Boot ganz nah ans Ufer gefahren sind kamen plötzlich aus den Büschen ganz viele kleine gelbe Äffchen gestürmt und kletterten auf unser Boot. Ibre wusste das natürlich und amüsierte sich sichtlich als die Affen schließlich auch auf uns herum kletterten. Beißen können sie nicht wirklich, von daher war das völlig ungefährlich. Man muss nur aufpassen wenn man etwas Essbares in den Händen hält. Das wird schneller geklaut als man schauen kann. Weiter ging es durch die Pampas. Wir erreichen ein kleines Dorf auf Stelzen bei dem wir mit leckeren Bananen versorgt werden. Übrigens haben wir hier im Dschungel die besten Bananen gegessen. So eine Banane schmeckt einfach um Welten besser wenn sie reif geerntet und nicht erst mit dem Schiff nach Deutschland gefahren wird. Auf der Tour haben wir dann noch ein paar andere Affenarten, einen Alligator und einen Kaiman gesehen. Und zum Schluss kam noch ein echtes Highlight – zwei Tukane. Zwar etwas weit von unserem Boot weg in einer Baumkrone, doch wir haben Sie richtig schön gesehen. Ibre war auch begeistert und erzählte uns, dass Tukane äußert scheu sind und wir heute wirklich viel „Suerte“ haben. Das freut uns natürlich sehr. Nach einem ganzen Tag auf dem Boot waren wir dann aber auch wieder froh festen Boden unter den Füßen zu haben. Er setzte uns wieder bei Erwin ab und wir verabschiedeten uns. Wir fuhren wieder zurück nach Rurrenabaque. Ungeplant lange waren wir dort deshalb, weil uns hier das erste Mal das bolivianische Essen einen Strich durch die Rechnung machte. Stephanie war richtig außer Gefecht und wir beschlossen noch bis zur Besserung in der kleinen Stadt zu bleiben. Zur Not gibt es hier einen Arzt und wir bekommen alle notwendigen Medikamente. Nach ein paar Tagen ging es dann besser und wir planten unsere Weiterfahrt nach La Paz. Am letzten Tag in „Rurre“ haben wir sogar noch leckere Brezen aufgetrieben. Was für ein Glück muss man haben, mitten im Dschungel bayrische Brezen zu finden. Doch wir hatten Glück und lernten eine nette deutsche Auswanderin kennen, die uns mit Freuden einen Schwung Brezen verkauft hat. Sie hat sich dafür extra Lauge aus Deutschland schicken lassen! Und die Brezen waren wie daheim – sehr lecker.

Rurrenabaque nach La Paz

Nicht nur einmal wurden wir vor der Strecke gewarnt. Es sei die schlimmste und gefährlichste in Bolivien. Viele kennen bestimmt die berühmte „Death Road“. Diese verläuft kurz vor La Paz an einem Berg entlang und hat den Namen natürlich nicht umsonst. Viele Auto- und LKW Fahrer verloren auf der Straße ihr Leben, weil sie unübersichtlich kurvig meist einspurig verläuft und sich die Fahrzeuge aneinander zwängen müssen. Dabei sei erwähnt dass es neben dem Auto mehrere hundert Meter in die Tiefe geht. Ohne Leitplanke selbstverständlich. Mittlerweile gibt es eine Umgehungsstraße, die auch wir favorisieren, jedoch ist die keineswegs besser und hat genauso gefährliche Abschnitte. Die ursprüngliche „Death Road“ wird nur noch selten von Autos befahren. Vielmehr findet man dort hunderte Mountainbiker die sich dort ihren Adrenalinkick holen. Wir machen uns also auf den Weg und planen 2-3 Tage bis La Paz ein. Die Strecke wird immer wieder unterbrochen von Baustellen bei denen wir warten müssen. Wir fahren durch kleine ursprüngliche Dörfer, in denen oft ein ganzer Bauernhof auf der Straße steht. Hühner, Kühe, Schafe, Ziegen, alles was man sich vorstellen kann läuft hier kreuz und quer durch die Gegend. Die Straße war zum Teil wirklich extrem. Zu den gefährlichen Stellen kam dann auch noch Regen, der die Straße stellenweise schnell in einen reisenden Schlammfluss verwandelt hat. Wir hielten uns immer so gut es ging hinter großen LKW´s, um die einspurigen Passagen schnell und ohne Gegenverkehr passieren zu können. Die Taktik ging gut auf, und wir mussten nur einmal einem großen Reisebus ausweichen. Da braucht man durchaus starke Nerven. Auf der einspurigen Straße 100 Meter rückwärts zu fahren, wo man zwischen Auto und Tod nur 50 cm Platz hat ist definitiv kein Spaß. Aber der stärkere und größere hat hier immer Vorfahrt und so müssen wir halt Platz machen, egal wie. So gefährlich wie einige zuvor berichtet haben, war die Straße dann unserer Meinung aber dann auch wieder nicht. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass die Leute in einem großen Reisebus unterwegs waren, und der in den engen Serpentinen schon mal direkt über dem Abgrund stehen kann. Wer da aus dem Fenster nach unten sieht, wird schnell weiß im Gesicht. Mit unserem Erwin kamen wir aber überall gut durch. Ein großes Manko hat die Straße aber schon wie wir finden. Zumindest für diejenigen, die es mit der Akklimatisierung in großen Höhen auch so genau nehmen wie wir. La Paz liegt auf fast 4000 Metern über dem Meer und diese Steigung fährt man erst kurz vor der Stadt innerhalb von ein paar Serpentinen. Es geht also steil hinauf und dessen Schlafhöhe zuvor unten auf 400 oder 500 Höhenmeter war, hat nun ein Problem. So auch wir. Es gibt dazwischen keinen Platz zum Übernachten und man muss wohl oder übel bis nach La Paz auf 3800 Meter fahren. Stephanie hatte damit zum Glück keine Probleme, aber Matthias kämpfte die ersten zwei Tage in La Paz mit starken Kopfschmerzen. Typisch für die Höhe wenn man nicht akklimatisiert ist. Mit viel Coca Tee ging es zum Glück wieder schnell besser und wir konnten unseren Aufenthalt in La Paz noch genießen. Wäre es nicht besser geworden, hätten wir sofort zurück, oder einen anderen Weg runter in eine flachere Gegend fahren müssen.

La Paz

Die Stadt hat uns eigentlich ganz gut gefallen. Wir haben zum Glück einen super sicheren Stellplatz für Erwin mitten im Zentrum ergattern können. Die Parkplätze gehörten scheinbar zu einem Hotel aber wir durften auf freundliche Nachfrage dort übernachten. So haben wir uns immer zu Fuß aufgemacht und die Stadt erkundet. Wäsche waschen, durch die Märkte flanieren, neue Kamera kaufen (leider fiel unsere Spiegelreflex im Erwin runter – Bildsensor defekt), günstig Mittagessen, leckere Eisbecher genießen usw.

Eine neue Kamera hat sich zum Glück recht einfach auftreiben lassen. Und das noch dazu zu einem super Preis. Ganz im Gegensatz zu neuen Schuhen. Stephanie hat es mit Größe 41 noch relativ leicht bzw. kann auch mal auf die Herrenabteilung ausweichen. Matthias hat hier in Südamerika echt Probleme beim Schuhkauf. Bei Größe 46/47 mussten die Verkäufer immer schmunzeln – es gab maximal Größe 45 und davon auch nur ein paar Paare. Da wir beide schon recht ausgelutschte Turnschuhe haben und sich diese langsam selbst zerlegen mussten einfach neue Schuhe her. Leider waren wir nicht erfolgreich in La Paz. Mittlerweile haben wir gottseidank welche in Peru gefunden…

Wir haben uns in La Paz auch intensiv mit der Organisation unserer weiteren Reise beschäftigt. Für die Fahrt nach USA brauchen wir eine Verschiffung von Kolumbien nach Panama und eine Versicherung für USA / Kanada. Also verbrachten wir bei leckerem Eisbecher einige Stunden im WLAN eines Eiscafés.

Titicacasee (Bolivien)

Nach ein paar ruhigeren Tagen in La Paz ging es wieder weiter Richtung Peru. Wir fuhren nach Copacabana, einem kleinen bolivianischen Dorf direkt am See. Mit einer kleinen Fähre mussten wir den See an einer Stelle überqueren. Natürlich bekamen wir dort auch wieder die flexible bolivianische Preisgestaltung zu spüren und der Fährmann verlangte gleich mal das Doppelte. Preisschilder oder so etwas gibt es hier nicht. Der Fährmann sammelt beim Verlassen immer das Geld von den Passagieren ein. Normalerweise kostet die Fähre hier 40 Bol. Egal wie groß das Auto ist. Er wollte zunächst 80 Bol haben und so begann wieder mal eine ewige Diskussion. Wir ließen nicht locker und kamen hier zum Glück mit 40 Bol ohne Probleme von der Fähre. In Copacabana bezogen wir vor einem Hotel unseren Stellplatz für die kommende Nacht und beschlossen, noch einen Cocktail in einer der zahlreichen Bars direkt am See zu trinken. Nach je zwei gut gemischten Cocktails für nur ein paar Euro waren wir gerade gut drauf und wollten die nächste Runde bestellen, da wurde uns erklärt dass die Bar jetzt schließt und wir nichts mehr bestellen können. Um 10 Uhr abends… alles klar. Aber was will man machen. Wir gingen zurück zu Erwin. Die Auswirkungen des Cocktails waren am nächsten Tag unerwartet heftig. Matthias lag für 3-4 Tage komplett flach. Vermutlich waren die Eiswürfel schuld. Da keine Besserung eintrat, half nur Antibiotika. Gottseidank rührte das auch gleich nach der zweiten Einnahme an und es ging wieder bergauf.

Titicacasee (Peru)

Nun ging es endlich nach Peru. Wir fuhren also zur Grenze und erledigten das übliche Ausreise/Einreise Prozedere. Es fehlte nur eine „Kleinigkeit“ bei der Einreise nach Peru, nämlich eine gültige Autoversicherung für Erwin. In Peru benötigt man wieder extra eine sog. SOAT, die man in diversen Geschäften ganz einfach kaufen kann. Logischerweise gibt es so ein Geschäft nicht an der Grenze, sondern erst im nächsten Ort, der ca. 2 Kilometer entfernt liegt. Das wussten wur zwar vorher, doch wir hatten gehofft dass die lieben Grenzer uns ohne Versicherung einreisen lassen und wir mit Erwin einfach gemütlich zu dem Dorf tuckern und eine Versicherung kaufen können. Doch der Beamte verweigerte uns die Einreise ohne Versicherung. Ok, es war kein wirkliches Problem. An der Grenze standen ungefähr 5 Tuk-Tuks bereit zur Abfahrt. Matthias stieg ins nächste Tuk-Tuk und für umgerechnet 50 Cent ging es in das Dorf zum Beschaffen der Versicherung. Alles klappte problemlos, die Versicherung wurde ausgestellt auf 30 Tage und Matthias konnte mit den Papieren per Tuk-Tuk wieder zurück zur Grenze fahren. Alles wurde nochmal kontrolliert und wir durften passieren. Wir waren nun in Peru, dem Land, vor dem wir irgendwie am meisten Respekt haben. Bewaffnete Raubüberfälle an der Küste, korrupte Polizisten und Autoeinbrüche sorgten bei uns nicht unbedingt für große Vorfreude. Wie es uns in Peru ging, erzählen wir im nächsten Blogeintrag.

 

3 Gedanken zu „Bolivien

  1. Jetzt habe ich den Blog schon zum soundsovielten Mal angeschaut und jedes Mal finde ich wieder etwas neues und spannendes auf euren super Fotos. Ich kann gar nicht genug kriegen von den vielen Eindrücken. Der Kontrast von schaurig-schönen Bildern vom „Whiches-Market“ über die farbenfrohen Fotos vom Titicacasee und noch viele andere ist schon krass. Ich bekomme jedes Mal wieder Gänsehaut. Hoffe, der Erwin macht das alles mit und ist schön brav. Euch allzeit gute Fahrt und weiterhin viel Glück!!!.

  2. Man muss Euch beneiden – einfach wunderbar, die Landschaft, die Tiere, die Menschen und was Ihr alles erlebt das ist Spitze.
    Weiterhin alles Liebe und passt auf Euch auf
    Eure Annemarie

  3. Ich lese immer wieder sooo gerne eure Einträge, und gerade diesmal sind die Fotos echt super schön! Vor allem diese Äffchen!
    Passt auf euch auf in Peru, Gruß aus München,

    Thabea

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