Feliz año nuevo

Feliz año nuevo

Nachdem wir von Puerto Arista aufgebrochen sind, verbrachten wir noch eine ganze Woche an Mexikos Pazifikküste – mittlerweile aber in Oaxaca. Unser erster Stopp führte uns durch das kleine Dorf Concepcon Bahia an den Strand Playa Bamba. An Schwimmen war hier aufgrund der Strömung zwar nicht zu denken, allerdings hatten wir zu dieser Jahreszeit den Strand quasi für uns alleine. Das änderte sich dann aber realativ schnell mit jedem weiteren Kilometer, den wir weiter nördlich fuhren. Oaxaca ist bekannt für seine wunderschönen Strände und somit wurde es auch immer touristischer. Nach zwei Tagen schnorcheln am Playa La Entrega in der Nähe von La Crucecita führte uns unsere Route weiter über Puerto Angel an den Strand Zipolite. Dort ergatterten wir einen tollen Stellplatz direkt am Meer. Was wir zunächst nicht wussten, aber sehr schnell herausfanden war, dass es sich hier um einen FKK-Strand handelt. Doch glücklicherweise ist die angezogene Bevölkerung auch ohne Probleme geduldet und wir konnten uns in die reisserischen Fluten stürzen. Nach zwei Nächten und einem Abstecher ins benachtbarte und sehr bekannte Mazunte – wo wir noch das „Museo de la Tortuga“ besuchten (das Museum stellte sich eher als ein Art Zoo heraus, wo man etwas über die unterschiedlichensten Arten von Land- und Meeresschildkröten lernen kann), war unser nächstens Ziel dann die gleichnamige Hauptstadt des Bunderstattes Oaxaca. Irgendwann war es einfach genug mit der Schwitzerei und den vielen Moskitos und wir freuten uns richtig auf die Berge und entspanntere Temperaturen, bei denen wir im Erwin auch wieder mal vernünftig schlafen können.

Oaxaca

Wir waren also voller Vorfreude und kurz vorm Aufbruch als sich plötzlich ein „anderer Erwin“ mit deutschem Kennzeichen neben uns stellte. Natürlich halten wir da noch einen kleinen Ratsch und bekamen sogleich einen kleinen Schock als wir von dem Reisenden erfuhren, dass man für die 200km nach Oaxaca mindestens 8 Stunden einplanen muss. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet, aber es hilft ja alles nichts… das dachte sich wohl auch unser Erwin als wir immer weiter entlang der Serpentinen in die Berglandschaft fuhren. Es kam wie es uns prophezeit wurde: dank unzähliger Topes (Ultra nervige Geschwindigkeitsreduzierungen in Form von betonierten Hügeln auf der Straße) und Kurven fuhren wir im Durchschnitt maximal 30-40 km/h. Leider machte uns auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Mit Nieselregen und Nebel konnten wir die Landschaft nicht wirklich genießen und beschlossen letzendlich nach 5 Stunden Fahrt unser Nachtlager in dem kleinen Ort San Juan aufzuschlagen. In den Bergen war zum ersten Mal wieder ein erholsamer Schlaf bei angenehmen Temperaturen möglich. Das hätten wir vor der Reise nicht gedacht, dass man sich so auf kühle Temperaturen freuen kann… aber man lernt ja nie aus ;-). Am nächsten Tag ging es also voller Energie weiter. Es machte uns richtig Freude. Nebel und Regen waren verschwunden und wir konnten zum ersten Mal die Landschaft sehen. Zudem hatte die Straße auch irgendwann ein Einsehen mit uns und wurde weniger kurvig. So kamen wir am frühen Nachmittag in Oaxaca an. Mit unserem Stellplatz mitten an einem zentral gelegenen Stadtpark hatten wir auch mal wieder richtig Glück und so blieben wir gleich eine ganze Woche in der Stadt. Wir erkundeten die Plätze und Krichen der Stadt, genossen die leckeren Mittagsangebote, schlenderten durch die Märkte und abends hatten wir sogar das Glück die Umzüge zum „Día de la Guadalupana“ quasi vor unserer Haustüre zu beobachten. Wir genossen unsere Zeit in Oaxaca sehr, aber irgendwann wollten wir einfach wieder raus in die Natur und – es musste ja weitergehen.

Hierve el Agua

Dabei handelt es sich um natürliche Felsformationen, die aufgrund von mineralhaltigen Quellen entstanden sind und die in ihrem Aussehen Wasserfällen ähneln. Wir verbrachten die Nacht neben der Dorfkriche des gleichnamigen Ortes, um am nächsten Tag frühzeitig bei den Wasserfällen zu sein. Das Wasserbecken mit dem mineralhaltigem Wasser, die Spiegelung der Wolken und des Baumes im Wasser, sowie die Berge in der Umgebung schafften eine wirklich magische Atmosphäre. Bis um ca. 10 Uhr Vormittags hatten wir das ganze Areal für uns alleine. Das änderte sich dann aber recht schnell, als etliche Tourbusse eintrafen. Wir gingen noch einen kleinen Rundweg um die Wasserfälle auch von unten begutachten zu können und Zum Abschluss hüpfte Stephanie auch noch ins kalte Nass. Hierve el Agua ist wirklich ein toller Ort zum Entspannen. Doch leider wird auch hier wieder mal die Natur mit den Füßen getreten. Was diese hier über Jahrtausende mühevoll aufgebaut hat, bricht der Mensch teilweise innerhalb von Sekunden ab.

Teotitlan del Valle

Auf dem Weg zurück nach Oaxaca machten wir noch kurz Halt in dem kleinen Dorf Teotitlan del Valle. Hier leben die meisten Familien von der traditionellen Weberei. Man kann hier also noch echte Handwerkskunst beobachten und gute, selbst gefertigte Waren erwerben. Wir besuchten eine Familie, die wie viele andere auch, von der Weberei lebt. Das „Geschäft“, wenn man es so nennen mag, befand sich um die hauseigene Feuerstelle herum. Da kann es auch schon mal passieren, dass nebenher 6 Hühner zum Sonntagsessen geschlachtet werden. 100% authentisch und wir mittendrin. Natürlich kamen wir nicht drum herum auch ein paar Souvenirs mitzunehmen.

Arbol de el Tule

An dem größten Baum der Welt konnten wir natürlich auch nicht einfach so vorbei fahren. Mit 14 Metern Durchmesser ist das ein wahrer Gigant. Der kleine Ort el Tule hat aber ansonsten recht wenig zu bieten und wir beschlossen nach ein paar Fotos auch gleich wieder weiter zu fahren.

Puebla

Nach Oaxaca war unser nächstes Ziel Puebla, eine Millionenstadt unweit von Mexico City. Wir fanden auch hier einen guten ruhigen Platz für Erwin und machten uns am nächsten Tag gleich mal auf um das Zentrum zu erkunden. Da waren wir erst mal überfordert von den ganzen Leuten. Scheinbar machte ganz Puebla seine Weihnachtseinkäufe am letzten Weihnachtswochenende (wie soll es auch anders sein…). Durch die Fußgängerzone sind wir vor lauter Menschen, weihnachtlichen Werbewichteln und Weihnachts-Mickey-Mäusen kaum durchgekommen. Trotzdem war es ein schöner Stadtbummel und wir bekamen einen guten Vorgeschmack auf die Dimensionen, die uns vermutlich in Mexico City erwarten würden.

Museo Nacional de los Ferrocarriles Mexicanos

Der Name sagt es eigentlich schon… wir waren im Eisenbahnmuseum. Das Museum hat immer sonntags freien Eintritt und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Von alten Post-Waggons über Erste-Klasse Waggons aus Amerika konnten wir verschiedene Züge besichtigen und zum Teil auch einen Blick ins Innere werfen. Wie ein großer Abenteuerspielplatz! Auf dem Weg zum Museum stolperten wir übrigens über einen gigantischen Straßenmarkt. Bei dem riesigen Angebot für frisches Obst, Gemüse und vor allem frischen Garnelen konnten wir nicht Nein sagen, und haben dann erst mal vom Erwin mehrere große Einkaufstaschen geholt. Die Preise waren wirklich unschlagbar günstig und wir hatten nach kurzer Zeit beide alle Hände voll mit Taschen und Tüten. Abends gab es dann „Tacos de Camaron“… sehr lecker!

Cholula

Die Kleinstadt Cholula ist fast schon verschmolzen mit Puebla. Sie war nur einen Katzensprung entfernt und ist bekannt für die angeblich größte Pyramide der Welt (volumenmäßig). Sie wurde von mehreren Völkern bis ca. 700 n.Chr. erbaut. Heute gleicht die Pyramide eher einem dicht bewucherten Berg. Man kann nur noch Teile erahnen da alles zugewachsen und noch nicht freigelegt ist. Interessant für Besucher ist aber vor allem auch das angelegte Tunnelsystem, welches sich 8 km unter der Pyramide umherschlängelt. Man hat diese Tunnel vor etwa 70 Jahren angelegt, um die verschiedenen Schichten der Pyramide zu erforschen. Heute ist ein Teil dieser Tunnel der Öffentlichkeit zugänglich. Wir marschierten als erstes auf die „Iglesia de Nuestra Señora de los Remedios“ an der Spitze. Diese Kathedrale wurde im 16. Jahrhundert nach der spanischen Eroberung erbaut. Von dort oben hatten wir einen fantastischen Blick über die Stadt sowie die beiden Vulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl.

Atlixco

Da wir nach Mexico City aufgrund unserer „2“ im Nummernschild nur an bestimmten Tagen fahren dürfen (Gesetz wegen Feinstaubbelastung, „Hoy no circula“) mussten wir noch einen Zwischenstop einlegen. Wir hörten von dem weihnachtlichen Lichtermarkt in Atlixco und da sich unsere Weihnachtstimmung noch eher auf Sparflamme befand, war es einen Versuch wert. Dort angekommen, machten wir uns erst mal ein Bild von der Kleinstadt und wanderten auf einen Aussichtspunkt – ein kleiner Berg mitten im Stadtzentrum. Dort fanden wir dann ein echtes Highlight vor – eine Schaukel über dem Abgrund 😀 Die Chance ließen wir nicht ungenutzt. Dann ging es auch schon in Richtung des Lichtermarktes. Oder besser gesagt: Lichter-Fressmarkt. Die Stände bestanden zu 99% aus Essensbuden. Naja, die Mexikaner essen halt gerne. Die Stimmung war jedenfalls toll und überall waren Lichterketten und weihnachtliche Figuren verteilt.

Weihnachten und Silvester in Mexico City

Um 13:00 Uhr des Folgetages machten wir uns auf Richtung Mexico City. Man spürte es natürlich deutlich am Verkehr, je näher wir der Stadt kamen. Immerhin leben hier 21. Millionen Einwohner und gefühlt ist jeder mit seinem Auto auf der Straße. Am nervigsten sind in den Randbezirken die sog. Collectivos. Diese Kleinbusse transportieren flexible 5-10 Personen, fahren kreuz und quer und halten auch noch wann und wo sie wollen an – Verkehrsregeln hin oder her. Das machte die Fahrt sehr anstrengend und zermürbend. Wir erreichten nach einer Ewigkeit erst das Willkommensschild „Bienvenidos a Mexico City“, und dachten, dass wir endlich gleich am Ziel sind. Doch weit gefehlt. Unser Navi sagte noch 45 Kilometer bis zum Ziel ins Zentrum. Die Ausmaße der Stadt sind wirklich gigantisch und für uns Landeier nicht wirklich greifbar. Wieder mal stellten wir uns die Frage… „Warum tun wir uns das eigentlich an??“. Doch wir wussten ja warum… wobei wir ohne die Einladung mit Sicherheit nicht in die Stadt gefahren wären. Wir schlängelten uns also weiter durch den chaotischen Verkehr. Je weiter wir aber ins Zentrum kamen, desto eher wurden die Verkehrsregeln auch von anderen Autos eingehalten und es ging sogar teilweise recht gemütlich auf einer 6 spurigen Autopista voran. Als es schon dunkel wurde brachte uns unser Navi endlich ans eingegebene Ziel. Doch irgendwas stimmte nicht… rund um uns herum waren Einfamilienhäuser und es sah nicht wirklich so aus wie unsere Freunde es beschrieben hatten. Waren wir etwa falsch? Müssen wir nochmal durch die ganze Stadt? Uns wurde für einen kurzen Moment richtig schlecht, doch dann kam die Entwarnung per WhatsApp. Wir sind ganz in der Nähe, haben uns nur im Viertel vertan. Nach 15 Minuten erreichten wir dann das Apartement von Haziel und Sofia, die uns schon von weitem begrüßten. Erwin konnten wir zuächst in einem Secure Parking abstellen (Natürlich arschteuer mitten in der City) und später dann auf einen kostenlosen Parkplatz vor dem Apartement parken. Für die nächsten Tage zogen wir ja bei den Beiden ins Apartement und wir wollten einen sicheren Platz für Erwin. Hier in Mexico City gibt es natürlich an jeder Ecke böse Buben, die gerne mal Autofenster einschlagen oder Türen aufbrechen. Aber um es gleich vorweg zu nehmen, unsere Sorgen waren unbegründet und niemand interessierte sich in den zwei Wochen für Erwin.

Wir wurden sehr herzlich empfangen von den Dreien (Sofia, Haziel und dem 3 jährigen Valentino). Erst mal gab es ein typisch mexikanisches Abendessen bevor wir unser Zimmer für die kommenden Tage bezogen. Am Wochenende wollte uns Sofia gleich etwas von der Stadt zeigen und wir entschieden uns (Stephanie war gesundheitlich etwas angeschlagen) für einen ruhigen Ausflug zum Universitätsgelände mit dazugehörigem Museum. Ein langer Spaziergang an der frischen Luft sowie das „Museo Universitario de Arte Contemporaneo (MUAC)“ waren ein guter Einstieg in das Stadtleben. Zum Glück waren wir diesmal Beifahrer bei Sofia. Man merkte auch sofort, dass Sie das Fahren in der Stadt gewöhnt ist. Sie brachte so schnell nichts aus der Ruhe 😉

Am Sonntag schauten wir uns dann noch das Soumaya Museum an. Ein sehr bekanntes privates Museum in Mexico City mit einer riesigen Kunstausstellung verschiedener Epochen. Schon allein das Gebäude ist der Wahnsinn.

Die beiden Ausflüge waren sehr schön, jedoch recht kurz gehalten da es Stephanie nicht gut ging und Sie unbedingt zu Weihnachten fit sein wollte.

Weihnachten auf Mexikanisch

So richtig fit war Stephanie leider noch nicht, doch die paar Lebensgeister mussten reichen. Mit Tequila und Ibuprofen ging es dann schon. Wir fuhren gemeinsam mit Sofia, Haziel und Valentino zu den Großeltern von Sofia (Matthias machte bei jeder Autofahrt ein Kreuzzeichen, dass er nicht fahren musste). Dort kam die ganze Familie (ca. 20 Personen) zusammen um Weihnachten zu feiern. Für uns war das wirklich eine große Ehre. Die Familie kommt in dieser Runde eigentlich nur einmal am Jahr zusammen und wir waren mittendrin. Das freute uns natürlich sehr, noch dazu wurden wir von Anfang an sehr herzlich aufgenommen. Zum Glück sprachen einige Onkels und Tanten gut Englisch, sodass auch der ein oder andere Smalltalk zu Stande kam. Sofias Opa arbeitete viele Jahre bei Corona und gehört daher eher zu den wohlhabenderen Bewohnern des Viertels. Entsprechend große Augen machten wir als wir das Haus betraten. Wir waren die ersten Gäste (pünktlich um 2 Uhr) und es dauerte noch fast zwei Stunden bis alle Onkel, Tanten, Geschwister, Nichten und Neffen eintrafen. Die Zwischenzeit wurde mit leckeren Häppchen und Tequila überbrückt. Stephanie hat von Sofias Opa gelernt, dass man mit Tequila und Limetten schnell wieder gesund wird. So begann die erste Runde Schnaps gleich um 15:00 Uhr und Stephanie bekam wieder Farbe im Gesicht 😉

Als dann alle eingetroffen waren und die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht waren, ging es an den Weihnachtsschmaus. Wir waren schon sehr gespannt was uns erwarten würde. Als Vorspeise wurde eine Schwammerlsuppe serviert. Die war echt lecker… die weltbeste Schwammerlsuppe!! Als Hauptgang gab es dann Truthahn mit diversen Beilagen. Allerdings nicht so wie man es von den Amerikanern kennt, sondern der Truthahn wurde von Sofia schon am Vortag zubereitet und dann ähnlich wie Pulled Pork zerkleinert auf dem Tisch serviert. Pulled Turkey sozusagen. Den Abschluss des wirklich ausgezeichneten Menüs machten verschiedene Kuchen und Süßigkeiten, die uns heute noch wie Backsteine im Magen liegen. Und das, obwohl wir uns einen Teller teilten! Ein Mexikaner schafft das natürlich alleine und trinkt dabei noch 2 oder 3 Tequila.

Vollgefressen bis oben hin wanderten wir dann irgendwann zur Bescherung ins Wohnzimmer. Bei so einer Großfamilie kann das gleich mal ein bis zwei Stunden dauern. Wie uns Haziel bereits im Vorfeld sagte, legt die Familie Wert auf Hochwertige und wirklich brauchbare Geschenke. Das finden wir schon mal gut. Im Gegensatz zu einer klassischen deutschen Bescherung wurden hier fast ausschließlich gute Markenklamotten und Schuhe verschenkt. Für uns war es auf jeden Fall spannend zuzusehen, doch irgendwie fehlte uns die persönliche Note der Geschenke.

Am frühen Abend brachen wir dann recht bald schon wieder auf, da die Großeltern sehr erschöpft waren. Im Gegensatz zur Ankunft war der Abschied dann in ungefähr 10 Minuten erledigt. Von Sofia haben wir übrigens ein super Geschenk bekommen: Handgefertigte Kissenbezüge aus Chiapas 🙂 Bevor alle wieder den Heimweg antraten gab es noch das obligatorische Weihnachtsfoto mit allen Familienmitgliedern und dem ganzen Nachwuchs. Eine tolle Tradition wie wir finden.

Am ersten Weihnachtsfeiertag wollten wir für unsere Mexikaner mal was typisch deutsches Kochen und so gab es am Abend einen deftigen Rinderbraten mit Knödel. Zum Glück hat es allen geschmeckt. Die deutsche Küche entspricht nämlich nicht wirklich dem, was hier in Mexiko täglich auf den Teller kommt. Doch Sie waren beigeistert, vor allem von der guten Soße. Bei einem Glas Wein, alternativ Bier hatten wir noch einen schönen Abend und auch Stephanie war wieder halbwegs auf den Beinen.

Nach den Weihnachtsfeierlichkeiten beschlossen wir zu zweit mal einen Ausflug in das Zentrum von Mexico City zu unternehmen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag (ist in Mexiko kein Feiertag und wird hier nicht gefeiert) ging es also mit der U-Bahn zum Zocalo, dem zentralen Platz der Stadt mit all den historischen und sehenswerten Gebäuden. Was in Deutschland leider nicht immer ganz so gut funktioniert klappt hier perfekt. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Mexico City sind ein Traum. Für 5 Pesos!!! (das sind umgerechnet 25 Cent) fuhren wir fast eine Stunde mit der U-Bahn. Am Zocalo angekommen, erkundeten wir mal den großen Platz und die große Kathedrale.

Die Gebäude waren zum Teil noch weihnachtlich dekoriert. In allen möglichen Farben leuchteten Lichterketten und sog. „Pinatas“. Das sind sternförmige Gebilde die es üblicherweise als gefüllte Luftballons gibt. Jeder kennt doch die Tradition, dass Kinder an Geburtstagen oder Weihnachten mit einem Stock auf so ein Teil schlagen und dann tausende Süßigkeiten rausfallen. Sowas nennt man Pinata.

Das nachfolgende Video ist ebenfalls an diesem Tag entstanden. Wir überquerten eine ganz normale Kreuzung in einer Fußgängerzone und waren echt baff wie viele Menschen da gleichzeitig die Straße queren.

5 Jahre

Am 28. Dezember hatten wir unser 5 jähriges „Bestehen“ wenn man es so nennen will. Das wollten wir natürlich feiern und wünschten uns einen Restaurantbesuch mit Sofia und Haziel. Wir gingen am Abend in ein schönes Lokal (es war so eine Mischung aus Mexikanisch, Türkisch und Arabisch) und vergnügten uns dann noch bei ein paar Bierchen in den umliegenden Bars. In einer typischen mexikanischen Cantina landeten wir auch. Das hat weniger mit einer Kantine zu tun, sondern eher mit einem Indoor Biergarten. Man sitzt gemütlich beisammen, es läuft keine aufdringliche Musik und man bekommt normalerweise zu einem Bier immer etwas zu Essen gereicht. Kostenlos! Das ist aber je nach Cantina verschieden.

Chapultepec

Am nächsten Tag machten wir noch einen weiteren Ausflug zur Burg Chapultepec. Sofia und Haziel wollten uns die riesige Parkanlage sowie die laut ihrer Angaben einzige Burg, die man in Mexico sehen kann unbedingt zeigen. Von der Burg aus hatten wir einen gigantischen Ausblick auf die Stadt. Das Wetter spielte zum Glück auch mit. Man kann das gesamte Burggelände betreten und auch einen Blick in die eingerichteten Räume werfen. Diese sind zum Teil noch original erhalten und wurden mühevoll restauriert. Ein wirklich schöner Ort wo man der Hektik der Stadt mal etwas entfliehen kann. Nach Chapultepec gingen wir noch beim „Angel de la independencia“ vorbei. Natürlich kamen wir nicht drum rum auch sämtliche mexikanische Gerichte der Straße zu probieren. Sofia und Haziel zeigten uns im Laufe unseres Aufenthaltes immer wieder tolle Lokale und leckeres Streetfood. Unter anderem das „Essen der Zukunft“… Heuschrecken. Nach anfänglichem Zögern haben wir uns dann auch getraut und zugegeben – es schmeckt gar nicht so schlecht. Irgendwie wie Chips.

Feliz ano nuevo!

Dann war es soweit – Silvester stand vor der Tür. Wer jetzt denkt, dass in Mexico City die Post abgehen muss irrt sich. Feuerwerk ist in der gesamten Stadt aufgrund der Feinstaubbelastung verboten. Da könnte sich Deutschland mal eine große Scheibe abschneiden. Fanden wir sehr angenehm und auch sinnvoll, wenn wir an den ganzen Smog zurückdenken der uns die Tage in Mexico City immer begleitet hat. Das Jahr 2018 ging also zu Ende und wir bereiteten alles für die große Party am Abend vor. Es gab leckeres Fondue und reichlich zu trinken. Ein ganz gemütlicher und lustiger Abend, der unseren Aufenthalt bei Sofia und Haziel wirklich schön abrundete. Auch wenn manch eine(r) etwas zu tief ins Glas geschaut hat 😉

2018 im Erwin unterwegs – Wir haben hier mal ein paar Bilder unserer schönsten Momente 2018 gesammelt. Viel Spaß beim anschauen 🙂

Die Sache mit dem Visa…

Als wir nach Mexico einreisten bekamen wir freundlicherweise 180 Tage Aufenthaltserlaubnis. Und das ohne Visum! Das erschien uns zu diesem Zeitpunkt völlig ausreichend und wir hätten nie gedacht, dass wir das voll ausnutzen würden. Doch in Mexico City rechneten wir dann mal nach wie lange wir eigentlich schon durch Mexico reisen und plötzlich machte sich ein ganz komisches Gefühl bei uns breit… wir waren nämlich schon 150 Tage da!! Oha… damit hatten wir nicht gerechnet und haben es ehrlichgesagt total übersehen. Also schmiedeten wir Pläne wie wir unseren Aufenthalt verlängern können, da wir ja noch einige Ziele in Mexico vor uns hatten und die 30 Tage dafür unmöglich reichen würden. Wir beschlossen also zur Migrationsbehörde von Mexico City zu fahren um nach einer Verlängerung unseres visafreien Aufenthaltes zu fragen. Wir dachten zunächst das sei kein Problem, doch mehr als 180 Tage seien absolut nicht möglich, teilte uns der Beamte mit. Mehr ginge nur mit einem Visum, und das erhalten wir erst nach viel Bürokratie und einem Arbeitsvertrag. Wir mussten also leider zur Kenntnis nehmen, dass wir spätestens am 8. Februar das Land verlassen müssen. Und die 180 Tage überziehen kam für uns nicht in Frage, denn dabei handelt es sich nicht unbedingt um ein Kavaliersdelikt. Eine Geldstrafe in 4-stelliger Höhe wäre dann wohl noch milde. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Pläne zu ändern und die 30 verbleibenden Tage so zu nutzen, dass wir das wichtigste von Mexico noch mitnehmen – Baja California. Da wollten wir unbedingt hin und ein paar Tage für die Anfahrt + Zeit für die US Visa Beschaffung mussten wir ja auch noch einplanen.

Guadalajara

Wir verabschiedeten uns von Sofia und Haziel und machten uns auf den Weg nach Guadalajara. Dort haben wir am schnellsten einen Termin beim US Konsulat bekommen. Man benötigt für das US Visum sogar zwei Termine. Einmal zum Abgeben von Fingerabdrücken und eines Fotos, den anderen Termin um bei einem persönlichen Interview seine ganze Lebensgeschichte sowie den Grund des US Aufenthalts preiszugeben. Der erste Termin ging recht schnell und locker von statten. Das lag aber auch daran, dass wir den Termin für 07:00 Uhr vereinbart hatten, und die Schlange vor dem Gebäude noch relativ klein war. Erst wurden von beiden Händen alle Finger gescannt, dann wurde ein schönes Verbrecherfoto vor weißer Leinwand gemacht. Nach ungefähr 10 Minuten waren wir aber auch schon wieder draußen. Den anderen Termin hatten wir am Folgetag um 11:00 Uhr vormittags. Wir machten uns also frühzeitig auf den Weg, um spätestens 15 Minuten vor dem eigentlichen Interview dort zu sein. So lautet auch die Anweisung des Konsulates. Aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass hunderte Mexikaner auch so einen Termin haben und die Schlange vor dem Konsulat ca. 200 Meter lang war. Also hieß es erst mal warten, warten und warten. Um 12:00 Uhr waren wir dann erst mal im Gebäude und mussten nach einer gründlichen Kontrolle unsere Reisepässe abgeben. Dann nochmal in einer langen Schlange anstehen und warten… warten… warten. Als wir dann endlich an der Reihe waren, begrüßte uns ein freundlicher amerikanischer Beamter hinter einer Glasscheibe und stellte prompt die ersten Fragen. Wie lange wollen wir in den USA bleiben? Warum so lange? Reichen nicht die 90 Tage ohne Visum? Wie finanzieren wir die Reise? Haben wir ein genaues Ausreisedatum? Was arbeiten wir in Deutschland und haben wir feste Jobs wenn wir zurückkehren? Welche Länder haben wir die letzten 10 Jahre besucht? (Ägypten und Türkei gefiel ihm nicht so sehr… aber als wir ihm erklärten dass wir dort nur Urlaub machten, war alles in Ordnung) und die wichtigste Frage: Ob wir die letzen 10 Jahre schon mal in Kuba oder Venezuela waren?

Dann kamen noch ein paar andere Fragen zu unserer Reise und wo wir genau hin wollen und so weiter. Der Beamte verschwand dann für 10 Minuten in ein anderes Büro mit unseren Pässen. Dann teilte er uns mit, dass unser Visum genehmigt wurde und wir Bescheid bekommen sobald wir die Pässe abholen können. Na das ging ja schnell 🙂 Damit hatten wir nicht gerechnet. Er sagte aber auch deutlich, dass das Visum keinen Einfluss auf unsere tatsächlich genehmigte Aufenthaltsdauer hat. Es kann durchaus sein, dass der Grenzbeamte einen schlechten Tag hat und uns nur 90 Tage gibt. Der Grenzer hat das letzte Wort. Nun gut, damit müssen wir eben leben. Hoffen wir mal, dass er einen guten Tag hat. Sonst können wir uns Alaska vermutlich abschminken. Aber wir sind zuversichtlich.

Mazatlan

Nachdem wir den ganzen Visa Zirkus hinter uns hatten, machten wir uns auf den direkten Weg nach Baja California. Wir wollten die Fähre nach La Paz am Wochenende erreichen und hatten noch gut 500 Kilometer vor uns. Die Fahrt dauerte zwei Tage. Mehr als 300 Kilometer pro Tag sind hier in Mexico kaum drin. Vor allem nicht, wenn man die maßlos überteuerten Mautstraßen zumindest ein bisschen vermeiden will. Von Mexico City nach Guadalajara waren es ebenfalls knapp 500 Kilometer und wir haben dafür fast 25€ Maut bezahlt! Das wollten wir uns nach Mazatlan ersparen und wählten die „alte Autobahn“ die parallel zur Mautstraße verläuft. Die freien Straßen sind in Mexico natürlich in wesentlich schlechterem Zustand als die Autopistas. Und der größte Nachteil liegt an den unzähligen nervigen Topes, die sich immer wieder in den Ortschaften befinden. Wenn uns was an Mexico nicht gefällt, dann sind es Topes. Diese Geschwindigkeitsbegrenzungen erfüllen zwar voll ihren Zweck, sind aber unverhälnitsmäßig oft auf der Straße und teilweise hat man wirklich das Gefühl das Auto bricht auseinander.

In Mazatlan angekommen, fuhren wir erst mal zum Fährterminal um einen Preis für Erwin + 2 Passagiere zu bekommen. Von anderen Reisenden hörten wir von Preisen um die 5000 Pesos. Das wären dann umgerechnet so 230€ in etwa.

In Mazatlan gibt es zwei Fähren. Einmal BajaFerries und einmal TMC. BajaFerries ist etwas teurer und hat den Nachteil, dass man während der Überfahrt keinen Zugang zum Auto hat. So entschieden wir uns für TMC, obwohl wir zunächst dachten, dass derzeit keine Fähre von TMC ausläuft (so stand es im Internet: „no hay salidas“). Doch wir hatten Glück und der Schalter war besetzt. Wir wurden auf die Waage geschickt und bekamen den Preis von 5097 Pesos ausgerechnet. Das war für uns OK und wir reservierten für den nächsten Tag einen Platz für unseren Erwin.

Versuchter Einbruch?

Die Nacht von Freitag auf Samstag verbrachten wir Overlander typisch am Walmart von Mazatlan. Wir gehen in der Regel immer so vor, dass wir mit der Security vom jeweiligen Walmart oder des Einkaufszentrums reden, ob wir auf dem Parkplatz übernachten können UND ob es sicher ist. Beides wurde uns zugesagt und wir schlugen unser Nachtlager auf. Bis 23:00 Uhr hat in der Regel jeder Walmart geöffnet, danach wird es dunkel und ruhig. Wir gingen irgendwann zwischen 23:00 und 24:00 Uhr ins Bett und schliefen tief und fest. Zumindest bis etwa 05:30 Uhr. Dann klopfte es heftig an der Türe und Matthias stand auf. Vor der Türe standen zwei dunkle Gestalten die sich plötzlich von uns abwendeten. Es war uns sofort klar was die beiden hier wollten. Es war weder Security noch Polizei, sondern einfach zwei Idioten die in unseren Erwin einsteigen wollten. Wären wir nicht da gewesen, hätten sie dies auch mit Sicherheit gemacht. Ruhig schlafen konnten wir an dem Morgen jedenfalls nicht mehr.

Ab nach Baja

Am Samstag, den 12. Januar war es dann soweit. Wir konnten mit der Fähre nach Baja California übersetzen. Die Tickets waren schnell besorgt, da wir ja am Vortag schon reservierten. 3 Stunden vorher musste Erwin vor der Fähre warten. Bis 17:00 Uhr wurden dann alle Fahrzeuge aufgeladen. Erst LKW´s und dann so Kleinkram wie Pickups und unser Erwin. Zum Glück wurden wir aufs Oberdeck der Fähre geschickt, sonst hätten wir nämlich nicht im Auto schlafen können. Die Fähre besaß zwei Etagen und die untere ist aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich während der Fahrt. Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus gesundheitlichen. Viele LKW Fahrer lassen nämlich während der Fahrt (die dauert wohlgemerkt 13-18 Stunden) ihren Motor laufen!!! Das muss man sich mal vorstellen. Wir haben das hier bzw. auch in Südamerika schon oft mitbekommen dass LKW- oder Busfahrer ihren Motor stundenlang laufen lassen. Einen Busfahrer haben wir mal darauf hingewiesen, doch da kämpft man gegen Windmühlen… „Sonst läuft ja die Klimaanlage nicht…“

 

Am Sonntagmorgen haben wir dann die Halbinsel Baja California erreicht. Die Zeit auf der Fähre verging erstaunlich schnell. Im Preis enthalten waren ein Abendessen sowie ein Frühstück und auch eine heiße Dusche ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Schlafen konnten wir ja gottseidank im Erwin… zumindest haben wir es versucht. Bei dem Lärm, den der alte Schiffsdiesel verursacht hat war an Schlaf leider fast nicht zu denken.

Wie es uns in Baja California ergeht und was wir dort bereits alles erlebt haben schreiben wir dann ausführlich im nächsten Eintrag. Der kommt dann wahrscheinlich schon aus den USA. Wir freuen uns schon sehr auf die kommende Zeit. Das wird wieder eine völlig neue Welt (wir haben ja schon ein paar Amis kennengelernt…)

 

Bis dahin, viele Grüße von der sonnigen Halbinsel Baja California!

4 Gedanken zu „Feliz año nuevo

  1. Hallo ihr Beiden!
    Schön, daß ihr uns auf eurer Reise mitnehmt.
    Ich lese gerne die interessanten Reiseberichte, und genieße die schönen, farbenprächtigen Bilder.
    Möge eure Reise noch lange dauern!
    Tom vom Bauhof. (Wir haben uns mal in Gut Altenbach getroffen, als du Erwin hergerichtet hast.)

  2. Hallo, Ihr habt wieder wunderbare Bilder und Texte gebracht. Ein aufregendes Leben habt Ihr. Man kann neidisch werden, bei Euch so schönes Wetter und so warm, bei uns ist es „saukalt“ und soviel Schnee.
    Recht liebe Grüße Annemarie

  3. Liebe Stefanie, lieber Mathias , so tolle Bilder!!!! Mexico sieht wunderschön aus – und so vielseitig! Macht Spaß eure Berichte zu lesen- wir wären auch gerne wieder unterwegs! Wir wünschen euch weiterhin viele tolle Erlebnisse und eine gute Reise! Genießt es!!!
    Hier hats richtig gut Schnee und wir sind jedes Wochenende mit den Skiern unterwegs.
    Liebe Grüße Brigitte und Markus

  4. Hallo ihr zwei,
    die Berichte eurer Reise machen süchtig! Interessant, informativ und so viele tolle Fotos. Mein absolutes Lieblingsfoto in diesem Blog: Hierve el Agua Nr. 10108 – Stephie geht übers Wasser!?!
    Weiterhin alles Gute und viele interessante, spannende und bleibende Eindrücke und Begegnungen!!
    Ganz liebe Grüsse aus dem winterlichen Niederbayern
    Evi und Georg

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